Lünebuerg Heide

Die alte Angst vorm bösen Wolf

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Unheimliche Begleiter durch die Nacht: Die vier Monate alten Wolfswelpen sind einem Soldaten beim Orientierungsmarsch beharrlich gefolgt. Bundesanstalt für Immobilienaufgaben/Helge John

Munster - Zwei Wolfspaare leben auf Truppenübungsplätzen in der Heide, eines davon hat drei Welpen. Bei den Schäfern geht jetzt die Angst um. Sie sorgen sich um ihre Schafe.

Es war schon etwas unheimlich. Während eines nächtlichen Orientierungsmarsches auf dem Truppenübungsplatz Munster wurde vor einigen Tagen ein Soldat von Jungwölfen verfolgt. Buchstäblich auf Schritt und Tritt. Blieb der Soldat stehen, verharrten auch seine Verfolger in gewissem Abstand, setzte er seinen Weg fort, liefen sie ihm hinterher. Als der junge Mann auf einen Turm kletterte, wagte sich einer der Jungwölfe bis an die unteren Stufen der Leiter. Das Tier entfernte sich erst, als der verängstigte Soldat nach ihm trat - nahm aber kurz darauf mit den Artgenossen die Verfolgung wieder auf.

Irgendwann wurde es den Wölfen dann doch zu langweilig, und der Soldat kam unbeschadet ans Ziel. „Gefährdet war der Mann zu keinem Zeitpunkt“, sagt Helge John, Wolfsberater des Bundesforstbetriebs für den Bereich Bergen/Munster. „Die Kameraden sind vier Monate und haben Milchzähne.“ Jungwölfe seien einfach neugierig und verspielt, betont der Experte - „wie Hundewelpen“.

Die Schafzüchter dagegen betrachten die nächtliche Begebenheit in der Heide als neues Alarmzeichen. „Wir sind überhaupt nicht glücklich darüber, dass die Wölfe sich hier wieder ausbreiten“, sagt der Vorsitzende der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände, Carl Lauenstein. „Die Probleme werden vom Land heruntergespielt.“ Immer wieder sei es vorgekommen, dass Wölfe Schafe gerissen hätten - Anfang August auch in Breloh bei Munster. „Die haben ruck, zuck begriffen, dass Schafe leichter zu erbeuten sind als Wildtiere“, sagt Lauenstein. „Die springen einfach über den Zaun und holen sich die Tiere aus dem Pferch.“ Die Schafzüchter seien daher gezwungen, die Zäune zu erhöhen und mit Flatterband auszurüsten. Außerdem müssten für den Austrieb in der freien Natur spezielle Herdenschutzhunde angeschafft werden. Und zu den Anschaffungskosten - 800 bis 1000 Euro für einen Welpen - kämen hohe Aufwendungen für die Haltung. Nötig sei zum Beispiel ein spezieller Hundeanhänger.

Aus Sicht der Heideschäfer muss das Land, das die Wolfsvermehrung mit Wohlwollen betrachtet, einen finanziellen Ausgleich schaffen. „Das Land ersetzt uns ein gerissenes Tier nur zu achtzig Prozent“, klagt der Heideschäfer Gerd Jahnke aus Eimke (Kreis Uelzen). „Bei einer Beunruhigung durch Wölfe kann es aber auch Totgeburten kommen. Den Schaden ersetzt uns keiner - von den Mehrkosten für Vorbeugemaßnahmen ganz zu schweigen.“

Andere Bundesländer wie Brandenburg, Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern zeigten sich da sehr viel großzügiger, sagen die Schäfer.

Inka Burow, Sprecherin im niedersächsischen Umweltministerium, bestätigt, dass das Land nicht in vollem Umfang für den Schaden aufkommt. „Das geht nach dem EU-Recht gar nicht, denn dabei handelt es sich um freiwillige Leistungen“, sagt die Sprecherin. Das Land habe den Schafzüchtern jedoch Schulungen angeboten, die nur auf geringes Interesse gestoßen seien. Über Hilfen für Schutzvorkehrungen wie höhere Elektrozäune werde derzeit noch gesprochen.

Wolfsberater John zumindest sieht Handlungsbedarf: „Niedersachsen wäre gut beraten, sich an den anderen Ländern zu orientieren“, sagt John. „Es ist sicher besser, neue Zäune zu fördern, als tote Schafe zu bezahlen.“

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