Piratenjagd

Amerikaner ehren Osnabrücker Polizisten

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Eckhard Klemp während seines Einsatzes am Horn von Afrika.privat

Osnabrück - Akribische niedersächsische Kripo-Arbeit hat in den USA einen somalischen Piratenchef hinter Gitter gebracht - ein Beamter aus Nordhorn hat dafür eine hohe amerikanische Auszeichnung erhalten.

Ein kleines Abenteuer sei seine erste Reise nach Oman gewesen, erinnert sich Eckhard Klemp. Dabei war das eigentlich Aufregende bei der Ankunft des Kriminaloberkommissars in dem Sultanat bereits vorüber: Im Mai 2009 war die „MS Victoria“ am Horn von Afrika von somalischen Piraten entführt und zwei Monate später gegen zwei Millionen US-Dollar Lösegeld frei gelassen worden.

Doch Klemps Aufgabe liegt im Detail: Er sichert nach solchen Entführungen die Spuren und befragt die Geiseln. Das führte unter anderem dazu, dass ein Piratenführer verurteilt werden konnte. Jetzt wurde Klemp im amerikanischen Norfolk für seine herausragende Arbeit geehrt.

Den Grund für die Auszeichnung mit dem „Law Enforcement Public Service Award“ fand er bei seinem zweiten Besuch in Oman. 2010 stellte er als Teamleiter mit vier Kollegen des Landeskriminalamts auf der „Marida Marguerite“ Spuren und eine Fotografie des somalischen Piratenführers Ali Jama Shibin sicher. Durch Klemps Arbeit gelang es den amerikanischen Behörden, Shibin zu verhaften und zu verurteilen: Zwölf Mal lebenslänglich plus 40 Jahre zusätzliche Haft und eine Zahlung von 5,4 Millionen US-Dollar Entschädigung lautete das Urteil. Shibin war unter anderem für die Entführung der amerikanischen Segelyacht „Quest“ im Februar 2011 verantwortlich. Die vierköpfige Besatzung war damals von Piraten erschossen worden.

Sowohl die „MS Victoria“ als auch die „Marida Marguerite“ gehören Reedereien in Haren/Ems. „Das Land hat sich dazu entschieden, in solchen Fällen zu ermitteln“, erklärt Eckhard Klemp den Grund, deutsche Polizisten ans Horn von Afrika zu schicken. Die Hoffnung sei, dass die vor Ort gesicherten Spuren irgendwann an Bedeutung gewönnen. Auf der „Marida Marguerite“ sind 22 Besatzungsmitglieder acht Monate lang von Piraten gefoltert worden. Die Reederei zahlte 10 Millionen US-Dollar Lösegeld.

„In der Form ist noch kein deutscher Polizeibeamter ausgezeichnet worden“, ist sich Friedo de Vries, der Osnabrücker Polizeivizepräsident, sicher. Anfang April war Klemp mit einem Kollegen nach Norfolk gereist, um den „Law Enforcement Public Service Award“ aus den Händen des Leitenden Bundesstaatsanwalts Neil H. MacBride entgegenzunehmen. Mit dem Preis zeichnet das Justizministerium jährlich amerikanische Polizisten aus, die eine herausragende Leistung erbracht haben. Es war eine Ausnahme, dass ausländische Staatsbürger die Auszeichnung erhalten.

„Man ist stolz“, sagt Eckhard Klemp zum Erhalt des Preises. Es sei eine schöne Anerkennung seiner Arbeit. „Da haben die Amerikaner ein anderes Verhältnis zu“, fügt Klemp hinzu. Die derzeit ruhige Lage am Horn von Afrika führt er auf die bewaffneten Guides zurück, die die Schiffe dort begleiten. „Diese Maßnahme führt dazu, dass die Entführungen zurück gehen.“ Es sei „nicht schlecht“, dass ihm dadurch seine Arbeit in der Spurensicherung genommen werde, ergänzt Klemp und grinst.

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