Als Helden gefeiert

Amerikaner verhindern Massaker im Thalys

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Foto: Spurensicherung im Thalys-Zug, der Ort eines Massakers gewesen sein könnte.

Arras - Ein offensichtlich radikaler Islamist – ein 26 Jahre alter Marrokaner – hat am Freitagabend das Feuer in einem Zug von Amsterdam nach Paris eröffnet. Zwei Amerikaner überwältigen ihn. Sie werden in Frankreich und von US-Präsident Obama als Helden gefeiert.

Nach der Attacke in einem Thalys-Schnellzug auf dem Weg von Amsterdam nach Paris prüfen französischeErmittler, ob es einen terroristischen Hintergrund gibt. Ein Mann hatte am frühen Freitagabend vermutlich mit einerKalaschnikow das Feuer eröffnet und zwei Menschen schwer verletzt, als der Zug durch das belgisch-französische Grenzgebiet rollte. Nach ersten Einschätzungen verhinderte nur das beherzte Eingreifen mehrerer Fahrgäste ein Blutbad: Zwei junge US-Soldaten und ein Student überwältigten den Schützen, im nordfranzösischen Arras übergaben sie ihn der Polizei.

Der Festgenommene wurde nach Angaben des französischen Senders BFMTV am Samstag für weitere Vernehmungen in die Nähe von Paris gebracht, um dort weiter befragt zu werden. Er soll marokkanischer Herkunft und 26 Jahre alt sein, wie der Polizeigewerkschafter Sliman Hamzi dem Sender iTélé sagte. Allerdings sollte die Identität noch überprüft werden. Die spanische Zeitung "El País" berichtete unter Berufung auf Geheimdienstquellen, der Mann sei den Sicherheitsbehörden bekannt gewesen und solle Verbindungen zu radikalen Islamisten gehabt haben.

"Wir haben einen Schuss und berstendes Glas gehört", erzählte der Nationalgardist Alek Skarlatos. Er habe hinter sich geschaut und einen Mann mit einerKalaschnikow gesehen, dann habe er sich zusammen mit anderen Fahrgästen auf den Mann gestürzt. "Wir haben ihn letztlich gefesselt, aber dann hat er währenddessen tatsächlich ein Messer gezogen und (den zweiten US-Soldaten) Spencer geschnitten", sagte der Brite Chris Norman, der den Amerikanern nach eigenen Angaben bei der Überwältigung des Mannes half. Skarlatos erzählte: "Wir haben ihn gegen den Kopf geschlagen, bis er bewusstlos war."

Zwei Amerikaner als "Helden" gefeiert

Die Fahrgäste hätten damit möglicherweise ein "furchtbaresDrama" verhindert, sagte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve. Auch US-Präsident Barack Obama lobte den Mut der Passagiere, darunter US-Militärangehörige. Sie hätten mit ihren "heldenhaften Taten" möglicherweise eine weitaus schlimmere Tragödie verhindert, hieß es nach Angaben des Weißen Hauses. Auch in sozialen Netzwerken wurden sie gefeiert.

Der Vorfall ereignete sich am Freitag gegen 17.45 Uhr. Noch am Abend zog die für Terrorismus zuständigePariser Staatsanwaltschaft den Fall an sich. Belgiens Premierminister CharlesMichel hatte schon früh von einem Terroranschlag gesprochen, die französischen Behörden legten sich aber noch nicht fest und betonten, das Motiv sei noch nicht geklärt.

Laut "El País" lebte der Festgenommene ein Jahr in Spanien, bevor er nach Frankreich gezogen sei, und sei auch in Syrien gewesen. Zudem hatte er mehrere Waffen und Magazine bei sich. "Er hatte die Schießerei wirklich geplant", meinte der US-Soldat Skarlatos.

Frankreich bedroht durch Anschläge

Frankreich war in den vergangenenMonaten mehrfach Ziel von Terroranschlägen oder -plänen mit islamistischem Hintergrund. Im Januar schockierten die blutigen Attacken auf die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" und einen jüdischenSupermarkt das Land, EndeJuni sorgte ein brutaler Mord in einer Chemiefabrik bei Lyon für Schlagzeilen. Mehrfach berichtetedie Behörden von vereitelten Terrorplots, beispielsweise gegen Kirchen. In der Region Paris gilt die höchsteTerrorwarnstufe, Soldaten stehen vor gefährdeten Gebäuden Wache, die Regierung versprach mehr Polizisten.

Wann die Staatsanwaltschaft sich offiziell zu den Ermittlungen äußern würde, war am Samstag zunächst unklar. "Alles wird getan, um Licht in dieses Drama zu bringen", versprach der französische Präsident François Hollande am Freitag. Er vereinbarte mit Belgiens Premierminister Michel, bei derAufklärung der Tat eng zusammenzuarbeiten.

dpa

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