Hamburger erschossen

Amerikas Waffengesetze fordern weiteres Opfer

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Foto: Wieder einmal zeigt sich die hässliche Seite der lockeren amerikanischen Waffengesetze.

Washington - Wieder einmal zeigt sich die hässliche Seite der lockeren amerikanischen Waffengesetze. Ein 17-jähriger Hamburger Austauschschüler wurde in Montana erschossen. Der Schütze plädiert auf Notwehr.

Das Entsetzen über den Tod des Hamburger Austauschschülers Diren D. ist groß. Wieder einmal zeigt sich die hässliche Seite der lockeren amerikanischen Waffengesetze. Doch in Missoula im Bundesstaat Montana wachsen die Zweifel, ob sich der Todesschütze überhaupt auf das umstrittene Selbstverteidigungsrecht berufen kann.

Amerikanische Medien zogen am Dienstag Vergleiche zum Fall Trayvon Martin, der im Februar 2012 in Florida erschossen wurde, als er unbewaffnet auf der Straße in Sanford unterwegs war. Bisher ist aber nicht vollständig geklärt, was sich genau in der Nacht zum Sonntag im Deer Canyon Court abgespielt hat. Wie die örtliche Zeitung "Ravalli Republic" berichtet, soll es in der dünn besiedelten Region in jüngster Zeit sehr unruhig zugegangen sein. Vor der Polizei sagte Markus K. aus, zwei Mal innerhalb von drei Wochen das Opfer von Einbrechern gewesen zu sein.

Da ihm die Behörden offenbar nicht helfen konnten, habe er sich und seine Familie vor einem weiteren Übergriff schützen und die Täter selbst fassen wollen: Er habe eine Geldbörse als Lockmittel in seiner offenstehenden Garage deponiert und ein Babyphone neben das Auto gelegt. Außerdem hatte er einen Bewegungsmelder und eine Überwachungskamera auf seinem Grundstück installieren lassen.

Als er kurz nach Mitternacht seltsame Geräusche über das Babyphone hörte, habe er sein Gewehr gegriffen, sei zur Garage geeilt und habe vier Mal in die dunklen Ecken geschossen. Eine Kugel traf den Austauschschüler in den Kopf, eine weitere Kugel in den linken Arm. Ein Jugendlicher, der sich ebenfalls mit Diren D. in der Garage befand, sei weggelaufen und habe sich später bei der Polizei gemeldet.

Die Staatsanwaltschaft mag den Schilderungen des Todesschützen nicht recht glauben. Sie bleibt skeptisch und wirft ihm vorsätzliche Tötung vor. Ob das weitreichende Recht auf Selbstverteidigung greift, ist zweifelhaft. Gegenüber seiner Friseurin in Missoula soll Markus K. wenige Tage zuvor gesagt haben, "den verdammten Typen zu erschießen, der bei mir ständig einbricht". Mehrere Nächte habe er darauf gewartet, selbst einzugreifen.

Sollte der 29-Jährige schuldig gesprochen werden, drohen ihm mindestens zehn Jahre Haft, vielleicht sogar ein Leben hinter Gittern. Dagegen beruft sich Markus K. auf die "Castle-Doctrine", wonach der Schusswaffengebrauch in Montana gegen Eindringlinge auf das eigene Grundstück erlaubt ist - wenn sich der Schütze unmittelbar bedroht fühlt. Sein Anwalt Paul Ryan betont: "Mein Mandant hatte nicht die Absicht zu töten. Der Fall ist wirklich sehr tragisch."

Die Polizei äußert sich bisher nicht zu den Hintergründen der Tat. Warum die beiden Jugendlichen in die fremde Garage gingen, ist bisher unklar. Das Haus liegt mehrere Kilometer von der "Big Sky High School" entfernt, die Diren seit August 2013 besuchte. Als erfolgreicher Fußballspieler war der Jugendliche in seiner Schule überaus beliebt. "Es ist ein tragischer Fall", sagt auch Alexander Apostle, Vorsitzender des Schuldistrikts. Der Schüler hatte sich an einem Programm des "Council on International Educational Exchange" beteiligt und lebte bei einer Gastfamilie, deren Haus nur unweit von dem Unglücksort entfernt steht. Seine Rückreise nach Hamburg war für den nächsten Monat geplant.

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