Besitzerin muss sich erklären

Angefeindet, weil Kostümverleih Isis heißt

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Sabine Deutscher, Inhaberin des Kostümverleihs "ISIS promotion", muss sich für den Namen ihres Geschäfts rechtfertigen - und wird angefeindet.

Stuttgart - Ihr Laden heißt seit 20 Jahren Isis Promotion, jetzt wird Inhaberin Sabine Deutscher von fremden Menschen harsch angegangen. Der Name wird mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Verbindung gebracht.

Sabine Deutschers Laden ist nun ein beliebtes Fotomotiv - ständig bleiben Passanten vor ihrem Laden stehen und zücken die Kamera. "Ich weiß gar nicht, wo im Internet das Schild überall schon kursiert", sagt sie. Passanten fragten, ob Deutscher nicht die Zeitung lese und warum ihr Laden so heiße. Dabei verleiht sie doch nur Kostüme und verkauft Masken. Die Inhaberin erklärt dann, dass sie ihren Laden nach der ägyptischen Göttin Isis benannt hat. Auch andere Unternehmen tragen den Namen: Isis Net Design, Isis Sentronics oder Isis Technologies. Auch die US-Post-Metal-Band Isis teilt dieses Schicksal.

Ein Überblick über Namen, Kürzel und Bezeichnungen, die plötzlich auffallen - oder längst vorbelastet sind:

NSU: Als die Gräueltaten des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) bekanntwurden, klingelte beim Deutschen Zweirad und NSU Museum Neckarsulm oft das Telefon. Fans der schwäbischen Firma NSU Motorenwerke sorgten sich um den Ruf der Marke, erinnert sich Leiterin Natalie Scheerle-Walz. Das Problem sei, dass nur die Marke geschützt sei, nicht aber der Name NSU. Die Aufregung habe sich inzwischen gelegt. Auch habe sie nicht beobachten können, dass sich Neonazis mit der Traditionsmarke in Verbindung brächten. NSU steht auch für die Neckarsulmer Sport-Union.

SAPOR: Seit der Modellauto-Affäre um Bayerns Ex-Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU) fühlt sich der Seifenspender-Hersteller Sapor aus Essen in Verruf gebracht. Es sei immer wieder zu Verwechslungen gekommen, weil Kunden die Firma als "Schwester" des von Haderthauer mitgegründeten Unternehmens Sapor Modelltechnik ansähen. Seit dem Rücktritt von Haderthauer sei es ruhiger geworden, sagt Chefin Constanze Schweizer. Dennoch habe das Unternehmen seinen ersten Platz bei der Google-Suche eingebüßt. Auch hätten Social-Media-Kommentare für Ärger gesorgt. Sapor beliefert unter anderem Bahngesellschaften mit Seifenspendern.

BDM: Der Bund Deutscher Milchviehhalter trägt mit BDM ein historisch belastetes Verbandskürzel - es stand für den Bund Deutscher Mädel, den weiblichen Zweig der Hitlerjugend. Probleme bereitet das dem Verband einem Sprecher zufolge nicht. Bei branchenübergreifenden Messen werde zwar ab und an nach der Bedeutung gefragt. Bei den Milcherzeugern habe er sich seit seiner Gründung 1998 aber längst etabliert.

HIV: Die Abkürzung HIV ist für die Halbleiter-Import und -Vertriebs GmbH mehr Hilfe als Not. "Wenn ich unsere E-Mail-Adresse diktiere, sage ich immer 'HIV, wie das Virus'", sagt eine Mitarbeiterin des Unternehmens. Zur Belustigung führe die Abkürzung bei Kunden nicht - anders bei der Firma HIV-Hoffmann, die unter anderem Handscanner und Etikettendrucker herstellt. Ändern will man den Firmennamen trotz der Kommentare von Geschäftspartnern nicht. "Den haben wir schon seit 40 Jahren", sagt ein Mitarbeiter.

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