Rachemord-Prozess

Angeklagtem droht lebenslange Haft

Göttingen - Im Prozess um einen mutmaßlichen Rachemord hält das Landgericht Göttingen den Angeklagten nach dem bisherigen Verlauf der Verhandlung für schuldig. Nach der vorläufigen Bewertung sei die Verurteilung des 28-Jährigen wahrscheinlich, sagte der Vorsitzende Richter Ralf Günther am Mittwoch.

Die Anklage wirft dem Mann vor, am 2. Februar den Bruder seiner Freundin erschossen zu haben. Er habe sich dafür rächen wollen, dass der 27-Jährige ihn wegen Diebstahls bei der Polizei verraten hatte. Deshalb habe er das Opfer mit einer fingierten Flirt-SMS in die Feldmark südlich von Göttingen gelockt. Dort soll er den 27-Jährigen mit einer Pistole erschossen haben.

Das Opfer sei von mindestens sechs Kugeln getroffen worden, sagte der Rechtsmediziner Wolfgang Grellner von der Göttinger Universitätsmedizin als Sachverständiger vor Gericht. Bereits der erste Schuss, der Herz und Lunge durchschlug, habe innerhalb kürzester Zeit zum Tod geführt. Weitere Kugeln trafen das Opfer in den Rumpf und die Extremitäten. Die Leiche war erst zehn Tage nach der Tat bei einer Suchaktion gefunden worden.

Bei der Polizei bestritt der Angeklagte die Vorwürfe. Vor Gericht hat er bisher geschwiegen. Trotzdem drohe eine Verurteilung wegen Mordes aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen, sagte der Vorsitzende. Zudem komme die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld in Betracht, was eine vorzeitige Entlassung aus der Haft ausschließe. Günther legte dem Angeklagten indirekt nahe, ein Geständnis abzulegen, um dies möglicherweise abzuwenden.

dpa

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