Prozessauftakt

Angeklagter bestreitet Mord an Mutter

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Der Angeklagte mit seinem Verteidiger.

Braunschweig - Der Anblick war gruselig. Auf dem Sofa eine erschossene Frau, an denWänden Waffen, und unter der Decke hing ein ausgestopftes Krokodil. Nun steht der Sohn wegen Mordes vor Gericht.

Ein 48 Jahre alter Waffennarr muss sich vor dem Landgericht Braunschweig wegen Mordes an seiner Mutter verantworten. Er habe das 77 Jahre alte Opfer Anfang März aus Habgier mit einem Kopfschuss getötet, um als Erbe an ihr Haus zu kommen, sagte Staatsanwältin Silke Schaper am Dienstag zu Prozessbeginn. Der Angeklagte, der illegal viele Schusswaffen besaß, bestritt die Vorwürfe. „Ich habe meine Mutter geliebt“" Bei der Kontrolle eines Revolvers habe sich ein Unfall ereignet.

Der Mann hatte nach dem Vorfall Polizei und Sanitäter gerufen. Den Rettungskräften bot sich ein schauriges Bild. Die Wände waren übersät mit Schwertern,Säbeln und Tiertrophäen. Die Polizisten fanden mindestens 20 Schusswaffen. „Ich habe sowas noch nie gesehen“, sagte ein Polizist vor Gericht. Unter der Decke des Raumes, in dem die Mutter lag, habe ein ausgestopftes Krokodil gehangen. In einemSchrank hätten sich zehnGewehre befunden.

Laut Anklage hatte es Streit um das Haus des Opfers im Goslarer Ortsteil Hahnenklee gegeben. Die weitgehend mittellose Frau habe das Haus verkaufen wollen. Ihr Sohn, der zusammen mit seiner Ehefrau auch in dem Haus wohnte, sei aus Verzweiflung über seine finanzielle Lage dagegen gewesen und habe sie daraufhin erschossen. Eine Persönlichkeitsstörung schloss Schaper nicht aus.

Der 48-jährige Sohn widersprach der Darstellung der Anklage. Es habe keinen Streit gegeben, der Schuss auf die Mutter habe sich unabsichtlich gelöst. „Das war nicht meine Absicht“, sagte er. Er sei bei der Kontrolle eines Revolvers abgerutscht. „Es vergeht kein Tag in der JVA, an dem ich nicht heule.“

Der Vorsitzende Richter Ralf-Michael Polomski will wissen, warum der Angeklagte beim Hantieren mit dem geladenen Revolver ein so hohes Risiko eingegangen ist. „Das wird sicherlich an dem Alkohol und den Tabletten gelegen haben. Leichtsinnig. Unüberlegt“, begründete der Angeklagte sein fahrlässiges Verhalten. Er habe vor dem Vorfall Beruhigungsmittel genommen, mehrere FlaschenBier und eine Flasche Rum getrunken.

Am ersten Prozesstag wollte das Gericht unter anderem klären, ob es unmittelbar nach dem Eintreffen der Rettungskräfte einGeständnis gegeben hat. Ein Sanitäter sagte aus, der Angeklagte habe nach der Tat von einem sich steigernden Streit berichtet, an dessenEnde er auf die Mutter geschossen habe. Der Polizeibeamte gab an, bei der Verhaftung den Eindruck eines Geständnisses gehabt zu haben. An den Wortlaut könne er sich aber nicht erinnern.

dpa

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