Organspende-Prozess

Angeklagter bleibt in Untersuchungshaft

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Foto: Dem angeklagten Arzt wird versuchter Totschlag in elf und Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen vorgeworfen.

Göttingen - Der angeklagte Arzt im Prozess um Betrug mit Spenderorganen bleibt in Untersuchungshaft. Ein Versuch der Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht zur Freilassung des Medizinprofessors zu bewegen, blieb am Mittwoch ohne Erfolg.

Nach acht Verhandlungstagen im Prozess um Betrug bei Spenderorganen sieht die Staatsanwaltschaft ihre Vorwürfe bestätigt. Es habe sich gezeigt, dass die Anklage nicht auf wackeligen Füßen stehe, sagte Oberstaatsanwältin Hildegard Wolff am Mittwoch im Landgericht Göttingen. Es gebe deshalb auch keine Veranlassung, den Angeklagten aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Die Schwurgerichtskammer sieht es ebenso. Der Angeklagte bleibe auch nach einem Gespräch der Prozessbeteiligten außerhalb der offiziellen Verhandlung hinter Gittern, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Die Anklagebehörde sieht weiterhin Fluchtgefahr. "Der Angeklagte wird sich nicht bis zum St. Nimmerleinstag dem Verfahren stellen", sagt Oberstaatsanwältin Wolff. Sie befürchte, dass der Prozess noch länger dauern könne, als bisher vorgesehen. Das Gericht hat Verhandlungstage bis Mai 2014 terminiert.Die Verteidigung hatte angeregt, dem früheren Leiter der Transplantationschirurgie der Göttinger Universitätsmedizin nach acht Monaten Untersuchungshaft gegen Kaution und Meldeauflagen Haftverschonung zu gewähren. Es sei Sache der Strafkammer über die Fortdauer der Untersuchungshaft zu entscheiden, sagte der Vorsitzende Ralf Günther. Die Richter sehen nach dem bisherigen Verlauf der Verhandlung aber offenkundig keinen Anlass, den Mediziner auf freien Fuß zu setzen.

Dem angeklagten Arzt wird versuchter Totschlag in elf und Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen vorgeworfen. Er soll durch die Manipulation medizinischer Daten die Organzuteilung für seine Patienten illegal beschleunigt haben. Andere Patienten seien deshalb möglicherweise gestorben.Der Prozess habe bisher nichts strafrechtlich Relevantes gegen seinen Mandanten zutage gefördert, sagte dagegen Verteidiger Steffen Stern am Mittwoch. Kein einziger Zeuge habe den Arzt strafrechtlich belastet. Dem Gericht schilderte der Anwalt, dass sein Mandant zunehmend unter der Haft leide.

Zuvor hatte sich die Kammer am Mittwoch erstmals mit einem der angeklagten Fälle von Körperverletzung mit Todesfolge befasst. Dabei geht es um einen Mann aus Thüringen, dem zweimal eine Leber übertragen worden war. Nach der zweiten Übertragung war er gestorben. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hatte es keinen medizinischen Grund für die Organübertragung gegeben. Der Prozess wird am 8. Oktober fortgesetzt.

dpa

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