Der Fall Hoeneß

Die Angst des Stürmers vor dem Urteil

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Im Prozess gegen Uli Hoeneß hat der dritte Verhandlungstag begonnen.

München - Der dritte Tag im Strafprozess gegen Uli Hoeneß dauerte nur 90 Minuten. Der Verteidiger des Bayern-Präsidenten hatte eingeräumt, von den 27,2 Millionen Euro Steuerschulden gewusst zu haben, die am Dienstag bekannt wurden. Vermutlich fällt nun doch schon am Freitag das Urteil.

Der dritte Tag im Strafprozess gegen Uli Hoeneß hat knappe 90 Minuten. Es ist jetzt wieder wahrscheinlich, dass es in der regulären Spielzeit von vier Verhandlungstagen zu einer Entscheidung kommt. Schon am Donnerstag könnten die Plädoyers gehalten werden. Am Freitag könnte das Urteil ergehen. Es scheint, als sei alles gesagt. Die beiden am Mittwoch gehörten Zeugen aus der Finanzverwaltung haben nichts wesentlich Neues zum Sachstand beigetragen.

Uli Hoeneß, dem einst gefürchteten Stürmer, steht an diesem Mittwochmorgen die Angst ins Gesicht geschrieben. Denn ein mildes Urteil ist nun ganz und gar unwahrscheinlich geworden. Dem Bayern-Boss droht Haft bis zu zehn Jahre, sofern das Gericht einen besonders schweren Fall von Steuerhinterziehung sieht. Hat die Verteidigung versagt?

Die am Dienstag bekannt gewordene Gesamtsteuerschuld von 27,2 Millionen Euro sei in den Summen der Selbstanzeige generell bereits enthalten gewesen, sagt Hoeneß-Anwalt Hanns W. Feigen. „Es gibt keinen Grund, überrascht zu sein. Wir sind ja nicht dämlich.“ Doch Feigen selbst war es, der am Montag gegenüber Journalisten die Summe von 18,5 Millionen hinterzogener Steuern genannt hatte. Hoeneß war in seinem Geständnis vage geblieben, hatte nur von einer „Steuernachzahlung im zweistelligen Millionenbereich“ gesprochen.

Den geplanten Befreiungsschlag des Angeklagten durch Selbstanzeige und Geständnis hat sein Anwalt durch die zu niedrig angesetzte Summe wertlos gemacht. Gestern machte er eine viel einfachere Rechnung auf: Ungefähr 60 Millionen Euro von Hoeneß’ Zockergewinnen seien steuerpflichtig, beim Spitzensteuersatz ergäbe das eine Nachzahlung von knapp 30 Millionen Euro. Warum er diese Summe nicht genannt hat, konnte Feigen gestern nicht schlüssig erklären.

Offenbar war Uli Hoeneß bei seinen Spekulationen und den daraus folgenden Steuerproblemen immer wieder schlecht beraten. Zum Beispiel von seinem Zürcher Banker-Freund, „dem Jürg“. Der wies Hoeneß anscheinend nicht darauf hin, dass die Abteilung „Private Banking“ bei Vontobel bereits ab 2008 ihre deutschen Kunden dazu drängte, ihre Steuersachen ins Reine zu bringen. Das berichtet die „Basler Zeitung“. Hoeneß war kein „Private Banking“-Kunde, doch dem leitenden Vontobel-Banker Jürg H. muss die Weißgeld-Strategie seines Hauses bekannt gewesen sein.

Günter A. wiederum, der Steuerberater, der die Selbstanzeige verfasste, machte Fehler, die nun große Auswirkungen haben könnten. Nur ein fehlender Satz, so Anwalt Feigen, mache die Selbstanzeige ungültig. Hätte dort gestanden, dass weitere Einnahmen aus Kapitalvermögen angefallen sein könnten, wären diese bei der Nacherklärung wohl akzeptiert worden.

„Die Selbstanzeige ist ungültig“, sagt Ken Heidenreich, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Denn dort sei angegeben worden, dass Hoeneß nur in den Jahren steuerpflichtige Einnahmen in der Schweiz hatte, in denen er hohe Gewinne mit Devisentermingeschäften einfuhr. Jedoch hat Hoeneß jedes Jahr Einnahmen aus Zinsen und Dividenden erzielt – laut Anklagen zwischen 2005 und 2008 jährlich mehr als drei Millionen Euro. Diese können nicht mit Verlusten verrechnet werden. Die Einnahmen hat Hoeneß’ Steuerberater erst Wochen nach Abgabe der Selbstanzeige nachgereicht.

„Hoeneß muss gehen“

Knapp zwei Drittel der Deutschen fordern den sofortigen Rücktritt von Steuersünder Uli Hoeneß als Präsident des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München. Das ergab eine repräsentative Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov von Montag bis Mittwoch dieser Woche. Demnach sind nur 22 Prozent der Befragten der Ansicht, Hoeneß solle im Amt bleiben, 65 Prozent sprechen sich für den Rückzug aus. Im Bundesland Bayern sind dies mit 56 Prozent immerhin noch mehr als die Hälfte. Knapp drei Fünftel der Befragten erwarten, dass Hoeneß durch seine Popularität einen Prominenten-Bonus vor Gericht habe. Auch bei einer weiteren Frage zeigten sich die Teilnehmer kritisch: So sollte Steuerflucht nach Ansicht von drei Vierteln in Deutschland härter bestraft werden.

Angeklagter und Kläger

Noch sitzt Uli Hoeneß selbst auf der Anklagebank, aber an seiner eigenen Klage gegen den „stern“ hält er eisern fest. Im August 2013 hatte das Magazin einen anonymen Hinweisgeber zitiert und berichtet, dass sich die Summe auf Hoeneß’ Schweizer Konto und Unterkonten auf einen Wert von mindestens 500 Millionen Schweizer Franken addiert habe. Unter anderem gegen diese Passage klagt Hoeneß, vertreten durch den Hamburger Medienanwalt Michael Nesselhauf; Hoeneß hat dem eigenen Bekunden nach keinen Überblick über Gewinne und Verluste gehabt. Nach Recherchen des NDR-Magazins „Zapp“ will der Anwalt trotz neuer, im aktuellen Strafverfahren gegen Uli Hoeneß vorgebrachter Summen an der Klage gegen den „stern“ festhalten. Das bestätigte Michael Nesselhauf dem NDR telefonisch.

Bank spielt weiter mit

München: Die Hypovereinsbank steht auch nach den neuen Enthüllungen im Steuerprozess fest zu ihrer Sponsoring-Partnerschaft mit dem FC Bayern. Er gehe „keine Nano-Sekunde davon aus“, dass sich das Verhältnis zu dem Verein wegen der „Causa Hoeneß“ verändern werde, sagte Bank-Chef Theodor Weimer in München. Die Bank profitiere von der Partnerschaft, und man sei stolz darauf, mit dem besten Bundesligaverein zusammenzuarbeiten. „Ich würde das mit Zähnen und Klauen verteidigen, dass wir das behalten“, sagte Weimer. Er kritisierte zudem eine „Sensationslust“, mit der das Thema in der Öffentlichkeit gespielt werde. Im Aufsichtsrat des FC Bayern sitzen neben dem Vorsitzenden Hoeneß mehrere Konzernchefs sowie Dieter Rampl, ehemaliger Verwaltungsratsvorsitzender der Hypovereinsbank-Mutter Unicredit.

Von Jan Sternberg (mit: dpa)

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