„Jakes“ Weg zu Gott

Angus T. Jones wettert gegen „Two And A Half Man“

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Der US-Schauspieler Angus T. Jones aus „Two and a Half Men“ hat die populäre TV-Serie als „Dreck“ beschimpft.

- Das ist natürlich bitter, wenn die Welt dich nur als – Entschuldigung – pupsendes, minderschlaues Milchgesicht kennt. Als dickliche kleine Nervensäge, die Vater Alan (Jon Cryer) und Onkel Charlie (Charlie Sheen) schwer auf den Wecker geht. Das muss hart sein, wenn die Mädchen kichern und prusten, wenn sie dich sehen, jahrelang.

Andererseits war Angus T. Jones (19) in seiner Rolle als Jake Harper in der PRO7-Sitcom „Two And A Half Men“ der bestbezahlte minderjährige Schauspieler im US-Fernsehen. Pro Folge kassierte er zuletzt 350 000 US-Dollar. Jones ist ein Star. Und es gab eine kurze Zeit, da hatte sich sein Babyspeck verwachsen, da sah er mit seiner Britpopper-Zauselfrisur aus wie einer, an dem die Pubertät ein Wunder vollbracht hatte: vom Moppelchen zum Mädchenschwarm. Da hätte man meinen können, dass ihm das übliche Ex-Kinderstar-Elend erspart bleiben könnte: Absturz, keine Rollen mehr, Selbstzweifel, Sucht. Obwohl Geld und Ruhm allein natürlich nicht verhindern können, dass ein Leben aus den Fugen gerät. Im Gegenteil.

Nun macht ein merkwürdiges Interview die Runde: Jones sitzt mager, blass und mit kurz geschorenen Haaren auf einem Ledersofa. Er trägt eine schwere Malcolm-X-Brille, und er gibt Zeugnis davon ab, wie er zu Gott gefunden habe. Der Film „The Testimony of Angus Jones“ steht auf einer Website der streng christlichen Organisation Forerunner Chronicles. Er dauert 30 Minuten, und Jones beschimpft darin heftig die Show, der er seinen Erfolg verdankt: „Bitte hört auf, euch ,Two And A Half Men‘ anzugucken“, sagt er. „Bitte hört auf, eure Köpfe mit Dreck zu füllen.

Am 27. Dezember 2011 habe er nach einem Gespräch mit einem Freund plötzlich Gott gespürt, sagt er. Es habe sich angefühlt, als sei er „von der wichtigsten Person meines Lebens“ umarmt worden. „Gott ist großartig!“, ruft er in Fernsehpredigerpose. Seine Filmrolle „Jake“ dagegen sei wertlos, ein „nicht existierender Charakter“. Er könne die Sitcom nicht mehr mit seinem erstarkten christlichen Glauben vereinbaren.

Streng und gottesfürchtig ging es nun wirklich nicht zu in „Two And A Half Men“: Charlie Sheen warf sich unter Erfüllung sämtlicher Machoklischees von einer Sexaffäre in die nächste, während sein verklemmter Bruder Alan als erfolgloser Chiropraktiker den Verlierer-Counterpart gab. Die Zuschauerzahlen von „Two And A Half Men“ sanken von 20 Millionen auf 14,5 Millionen, seit Sheen nach einem heftigen Streit mit Produzent Chuck Lorre durch Ashton Kutcher ersetzt wurde. Die Show ist aber noch immer die dritterfolgreichste US-Sitcom nach „Big Bang Theory“ (CBS) und „Modern Family“ (ABC). Jones hat erst im Mai einen neuen Einjahresvertrag als „Jake“ unterzeichnet – sein Mitwirken steht nun in den Sternen. CBS äußerte sich gestern nicht.

Jones wäre nicht der erste heranwachsende Kinderstar, den nach einer Turbokarriere heftige Zweifel an seinem Tun beschleichen, der Rat und Halt sucht – im Glauben, in Sekten, in Drogen. Die Psychologie weiß auch, warum: weil das Image, das Bild in der Öffentlichkeit, und die reale Person weit auseinanderdriften, bevor die eigene Persönlichkeit stabil und ausgereift genug ist, um genau das auszuhalten. Und weil erwachsene Kinderstars das Publikum unbewusst verstören. Drew Barrymore („E.T.“) wankte mit neun Jahren betrunken von Partys nach Hause und schnupfte mit zwölf Kokain. Sie fing sich wieder. Macaulay Culkin dagegen hat sich von seinem Erfolg als Zehnjähriger mit „Kevin – allein zu Haus“ nie erholt. „Ruhm kann gefährlich sein“, sagte Ex-Disney-Kinderstar Demi Lovato (19) erst im Mai, zermürbt von Drogen, Depressionen, Alkohol, Bulimie. „Niemand sagt Nein.“

„Die Leute sehen mich und rufen: ,Ey, Jake!‘“, sagt Jones in dem Interview. Er sieht nicht glücklich aus dabei. „Hört auf mit Fernsehen. Ihr wisst gar nicht, wie trügerisch der Feind ist. Wenn ich jetzt nicht den Job von Jesus Christus machen würde, dann könnte ich eigentlich auch gleich sterben.“

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