Mordprozess

Anklage fordert Sicherungsverwahrung

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Der Angeklagte Ralf E. im Gerichtssaal im Landgericht in Osnabrück.

Osnabrück - Kaum war ein wegen Mordes zu lebenslanger Haft Verurteilter auf Bewährung frei, brachte er offenbar eine Freundin um und wollte auch eine Bekannte ermorden. Staatsanwaltschaft und Nebenklägerin fordern nun Sicherungsverwahrung für den Angeklagten.

Ein 50 Jahre alter Mann soll wegen Totschlags und versuchten Mordes für 15 Jahre in Haft kommen. Die Staatsanwaltschaft am Landgericht Osnabrück beantragte für den Angeklagten außerdem eine anschließende Sicherungsverwahrung. Auch die Verteidigerin des Mannes gab am Montag zu erkennen, dass sie mit der geforderten Haftstrafe einverstanden sei. Sie widersprach aber der Sicherungsverwahrung. Es sei zu erwarten, dass ihr Mandant ohnehin für den Rest seines Lebens in Haft bleiben müsse. Der Mann war bereits 1989 wegen Mordes an seiner damaligen Freundin zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er kam im vergangenen August auf Bewährung frei. Ein Verfahren zur Widerrufung der Bewährung läuft.

Rund zwei Monate nach seiner Entlassung soll er im vergangenen Oktober eine 42 Jahre alte Freundin in Schüttorf erwürgt haben. Laut Anklage hat er wenige Tage später versucht, eine Bekannte in Northeim mit Hammerschlägen umzubringen. Sie überlebte nur knapp mit lebensgefährlichen Verletzungen und trug unter anderem ein schweres Schädel-Hirn-Trauma davon. In beiden Fällen hatten die Frauen dem Angeklagten kurz vorher gesagt, dass sie eine Beziehung zu ihm beenden wollten.

Bei den Taten im vergangenen Herbst habe der Angeklagte dasselbe Verhaltensmuster gezeigt, wie er es bereits bei dem Mord in den 80er Jahren an den Tag gelegt habe, sagte die Staatsanwältin. Über das Motiv lasse sich nur mutmaßen, da der Mann in der Verhandlung von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht habe. Offenbar habe er es nicht akzeptieren können, dass seine Opfer keine Beziehung mit ihm hätten eingehen wollen: „Sieben Jahre Sozialtherapie, die nichts gebracht haben." Die Taten machten fassungslos, sagte die Anklägerin.

Die Anwältin der als Nebenklägerin auftretenden Frau aus Northeim kritisierte, dass der Mann überhaupt auf Bewährung freigekommen war. Er habe bei der Sozialtherapie gelogen, und diese Falschangaben seien nicht überprüft worden. „Unglaublich", sagte die Anwältin. Auch sie sprach sich für eine Sicherungsverwahrung aus. „Alle Frauen müssen vor weiteren Taten dieses Angeklagten geschützt werden."

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