Islamisten köpfen Mann in Fabrik

Anschlag in Lyon - zwei Verdächtige gefasst

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Foto: Polizisten stehen vor der Fabrik Air Products in Saint-Quentin-Fallavier nahe Lyon. Hier war die Leiche eines geköpften Mannes gefunden worden.

- Zwei Männer mit einer Islamistenfahne haben heute morgen das Gelände einer Fabrik nahe Lyon gestürmt. Die Lage ist unübersichtlich. Klar ist: Ein Mann wurde geköpft. Beide Verdächtigen sind laut Ermittlern bereits gefasst und identifiziert. Präsident Holland spricht von einem "Terroranschlag".

  1. Kurz vor 10 Uhr kommt es zu Explosionen auf dem Gelände einer Gasfabrik nahe Lyon.
  2. Die geköpfte Leiche eines Mannes wird am Zaun der Fabrik gefunden. Sie ist mit arabischen Schriftzeichen beschrieben.
  3. Zwei Verdächtige sind gefasst worden. Ein Mann soll Verbindungen zur "salafistischen Bewegung" gehabt haben.

Knapp ein halbes Jahr nach den Mordanschlägen von Paris wird Frankreich erneut von einem islamistischen Attentat erschüttert. Nach einem Überfall auf ein Werk für Industriegase in der Nähe von Lyon am Freitag wurde die Leiche eines enthaupteten Mannes entdeckt. Mindestens zweiMenschen wurden nach Angaben der Behörden zudem leicht verletzt. Die Polizei nahm einen 35-jährigen Mann fest, der Kontakt zur radikalislamischen Szene haben soll. Wie Innenminister Bernard Cazeneuve berichtet, habe der Mann Verbindungen zu salafistischen Organisationen. Schon in der Vergangenheit war er den Geheimdiensten wegen einer islamistischen "Radikalisierung" bekannt. Vorbestraft soll der 35-Jährige jedoch nicht sein. Später stellte sie einen weiteren Tatverdächtigen.

Frankreichs Präsident François Hollande brach wegen des Anschlags seine Teilnahme am EU-Gipfel in Brüssel ab und berief eine Sitzung des Sicherheitskabinetts ein. Er sprach von einem Anschlag „terroristischer Natur“. Auf dem Körper des enthaupteten Manns wurden arabische Schriftzeichen entdeckt. Sein Kopf steckte auf einem Zaun, der die Gasefabrik umgibt. In der Nähe waren nach Angaben von Augenzeugen zwei schwarze Islamistenflaggen zu sehen.

Innenminister Bernard Cazeneuve sagte, der mutmaßliche Attentäter stehe in Verbindung mit salafistischen Organisationen. Die Behörden seien bereits 2006 auf den 35-jährigen Yassine S. wegen radikaler Tendenzen aufmerksam geworden. Angeblich wurde er von einem Feuerwehrmann überwältigt. Nähere Angaben machte Cazeneuve zunächst nicht.

Das Werk in der Gemeinde Saint-Quentin-Fallavier liegt unweit des Flughafens von Frankreichs zweitgrößterStadt Lyon. Nach der Tat wurde es weiträumig abgesperrt. In den vergangenen Monaten hatte die islamistische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mehrfach Geiseln enthauptet. Einige der Gräueltaten waren dann später auch in Internet-Videos zu sehen.

Der genaue Hergang war zunächst unklar. Nach ersten Angaben raste der Täter - möglicherweise inBegleitung - gegen 9.50 Uhr mit einem Auto in hoher Geschwindigkeit auf die Gasefabrik zu.Vermutet wird, dass das Werk in die Luft gejagt werden sollte. Zeugen berichteten von einer „enormenExplosion“.Der Schaden hielt sich dann aber offenbar in Grenzen. Die Fabrik gehört dem US-Konzern Air Products, der Gase für die Industrie und den medizinischen Gebrauch herstellt.

Die Zeitung „Le Dauphiné Libéré“ zitierte Augenzeugen, wonach einMann mit mehreren Islamistenflaggen in den Händen Gasbehälter geöffnet und zur Explosion gebracht habe. Hollande sagte, möglicherweise habe noch eine zweite Person in dem Auto gesessen. Auf dem Gelände rammte das Auto Gasbehälter, die dort standen. Dabei gab es mindestens zweiVerletzte.

Bei dem Toten handelt es sich nach Angaben Cazeneuves um ein „unschuldiges Opfer, das ermordet und auf widerwärtige Weise enthauptet“ worden sei. Die Identifizierung sei noch nicht abgeschlossen.

Im Januar waren bei Anschlägen auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt inParis 17 Menschen von islamistischen Terroristen getötet worden.Die Anschläge lösten international eine beispiellose Welle der Solidarität aus.

Die Bundesregierung verurteilte das Attentat. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte: „Das ist etwas, was uns besonders bewegt.“ Gerade in Fragen der Sicherheit hingen Deutschland und Frankreich eng zusammen. Der deutsche Außenminister Frank-WalterSteinmeier (SPD) sagte: „Diesen Akt des Terrors und des Fanatismus verurteilen wir auf das Schärfste. Wir sehen uns vereint mit Frankreich in der Verteidigung unserer freien Gesellschaft gegen den blinden Hass des Terrors.“

afp/dpa/aks

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