Geringere Nachfrage

Der Appetit auf Spargel bleibt aus

+
Foto: In der vergangenen Woche kostete ein Kilogramm Spargel im Schnitt 5,90 Euro – rund 80 Cent mehr als in der gleichen Vorjahreswoche.

Hannover - Erst der lange Winter, dann ein eher düsterer Frühling – die Spargelernte fällt bisher bescheiden aus. Zu allem Überfluss will auch der Appetit der Verbraucher noch nicht recht aufkeimen. Doch die Landwirte sehen die Wende nahen – vorausgesetzt, der Sommer kom

Der späte Start sommerlicher Temperaturen sorgt für Kapriolen in der diesjährigen Spargelsaison. Einerseits liegt die Erntemenge wegen der Witterung hinter den Vorjahreswerten, andererseits vergeht den Spargelliebhabern ohne genügend Sonne ganz offensichtlich auch der Appetit. Einige Landwirte überlegen, ob sie ihr Geschäft dieses Jahr womöglich über das traditionelle Saisonende hinaus ausdehnen. Für Verbraucher ist der schleppende Start indes kein Vorteil – sie zahlten zuletzt sogar mehr als 2012.

„Es gibt teils massive Einschnitte bei der Erntemenge“, erklärte der Spargel-Experte der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft AMI, Michael Koch, am Mittwoch. Doch parallel hinke auch die Nachfrage hinterher, was - wie bei den Erträgen vom Feld - ebenfalls an den zuletzt geringen Temperaturen liegen dürfte. „Das ist schlecht für Einkäufe auf dem Wochenmarkt oder direkt beim Erzeuger“, erklärt der Branchenexperte. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), die das Geschehen auf den Großmärkten beobachtet, erklärt das zuletzt „unbefriedigende Interesse“ mit dem schlechten Wetter.

Wenn Spargelhunger und Erntemengen zeitgleich im Keller sind, ist die Frage, was noch überwiegt. „Es ist derzeit weniger eine Nachfrage- als eine Angebotsgeschichte“, erklärt Koch. Tendenziell stoßen also wenig Kunden auf ein für ihre Zahl dennoch eher geringes Angebot. Das lässt sich dann an den Preisen ablesen. Die lagen in der vergangenen Woche mit im Schnitt 5,90 Euro pro Kilogramm 15 Prozent oder rund 80 Cent über dem Wert der gleichen Vorjahreswoche, sagte Koch. Er rechnet nun für die nächste Zeit mit klaren Nachholeffekten.

Normalerweise endet die Spargelsaison am 24. Juni (Johannnistag). „Es gibt schon erste Stimmen, diesmal eine Woche länger zu machen“, sagt Koch. Derzeit gehe er aber davon aus, dass die Mehrheit zum Stichtag Schluss mache. Das sieht auch Dietrich Paul so, Chef der Spargelanbauervereinigung in Niedersachsen – Deutschlands Spargelland Nummer eins. „Der Verlauf der letzten Tage war gut“, berichtete er.

Im Augenblick stehe eine Verlängerung der Saison daher eher nicht zur Debatte. „Wenn wir in den nächsten drei Wochen das rauskriegen, was sich jetzt andeutet, dann kriegen wir die Kurve“, schätzt Paul. Die Spargelsaison ist begrenzt, da das Gemüse regelmäßig wieder Zeit zum Regenerieren braucht.

dpa

Kommentare