Landesarmutskonferenz Niedersachsen

Armutsrisiko für Alleinerziehende steigt

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Hannover - Wer in Niedersachsen ohne Partner ein Kind großzieht, ist immer häufiger von Armut betroffen: Der Anteil der Alleinerziehenden, die als armutsgefährdet gelten, ist von 37,5 Prozent im Jahr 2005 auf 44,5 Prozent im Jahr 2011 gestiegen.

Das teilte das Sozialministerium der HAZ auf Anfrage mit.

Experten vermuten hinter diesen Zahlen mehrere Gründe. Ein wesentlicher Punkt sei, dass alleinerziehende Frauen (90 Prozent der Single-Eltern sind weiblich) besonders häufig Minijobs annehmen, weil sie für eine Vollzeitstelle keinen passenden Betreuungsplatz für das Kind finden. Einige Branchen wie das Gebäudereinigungsgewerbe hätten in den vergangenen Jahren sozialversicherungspflichtige Jobs abgebaut und durch Minijobs ersetzt, die dann oftmals mit alleinerziehenden Müttern besetzt worden seien.

Dazu kommt wohl auch ein statistischer Effekt: Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat. Steigen die Tariflöhne an, steigt damit auch das Durchschnittseinkommen – und wer wenig verdient, wird noch weiter abgehängt.

Insgesamt sind immer mehr Menschen in Niedersachsen von Armut bedroht, obwohl sie Arbeit haben. Von dieser Art „prekärer Arbeit“ seien landesweit rund 812 000 Menschen betroffen – etwa 200 000 mehr als vor zehn Jahren, teilte die Landesarmutskonferenz LAK Niedersachsen mit. Darunter sind ebenfalls überdurchschnittlich viele Alleinerziehende: 40 Prozent von ihnen beziehen Hartz IV, oftmals obwohl sie einen Job haben. Dagegen sind nur acht Prozent der Paar-Eltern auf Grundsicherung angewiesen.

Das wirkt sich auch auf den Nachwuchs aus: Kinderarmut geht in Deutschland zu einem großen Teil darauf zurück, dass die betroffenen Jungen und Mädchen in Familien mit nur einem Elternteil aufwachsen, hat eine Studie der Bertelsmann-Stiftung 2014 festgestellt.

Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt sieht daher auch die Arbeitgeber in der Pflicht. Alleinerziehende würden häufig als zweite Wahl betrachtet, kritisiert die Ministerin. „Wir müssen wegkommen von der Defizitbetrachtung dieses Personenkreises. Sie leisten viel, oft mehr als andere Beschäftigte, und haben gelernt, ihre Ressourcen optimal einzusetzen“, sagte Rundt der HAZ.

Laut Niedersachsen-Monitor des Landesamtes für Statistik wuchs die Zahl der Alleinerziehenden zwischen 2012 und 2013 um 1,6 Prozent auf 240 000 an. Gleichzeitig ging sie im Bundesdurchschnitt um 0,4 Prozent zurück. Den stärksten Rückgang verzeichnete Mecklenburg-Vorpommern mit einem Minus von 10,2 Prozent. Stärker als in Niedersachsen stieg die Zahl der Einzeleltern nur in Bayern: Hier wurde ein Plus von 2,2 Prozent verzeichnet.

Den insgesamt höchsten Anteil von Alleinerziehenden an der Bevölkerung haben Stadtstaaten wie Berlin (44 Personen pro 1000 Einwohner) und Bremen (42). Niedersachsens Zahl stieg von 30 auf 31 Personen pro 1000 Einwohner, was aber noch unter dem Bundesdurchschnitt von 33 Alleinerziehenden pro 1000 Einwohner liegt.

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