Niedersachsen

Auch Amateurfußballvereine haben Probleme mit der Steuerfahndung

Lüneburg - Der SK Hansa und Uli Hoeneß haben eine Gemeinsamkeit: Beide haben Probleme mit der Steuerfahndung. Gegen den Fünftligist ermittelt nun der Staatsanwalt, weil Spielergehälter nicht ordnungsgemäß versteuert wurden. Und auch anderen Amateurfußballvereinen widerfährt ein ähnliches Schicksal.

Es dürfte nicht allzu oft vorkommen, dass der Lüneburger SK Hansa aus der niedersächsischen Fußball-Oberliga in einem Atemzug mit Uli Hoeneß genannt wird. Und doch haben der Fünftligist und der Präsident des großen FC Bayern München mehr gemein als nur den Ballsport. Beide haben ein Problem mit der Steuerfahndung. Hoeneß, weil er an der Börse spekulierte und seine Gewinne nicht der Steuer mitteilte. Der „Traditionsklub mit Herz“ aus Lüneburg, weil er es mit den Spielergehältern offenbar nicht so genau nahm.

Wie der Stader Staatsanwalt Kai Uwe Breas am Dienstag bestätigte, ermittelt seine Behörde gegen den derzeitigen Viertplatzierten der Oberliga wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. „Der Verein hat die Gehälter seiner Spieler nicht ordnungsgemäß lohnversteuert.“ Hinzu kommt laut Breas, dass Sozialabgaben nicht abgeführt wurden. Vor zwei Wochen hat es deshalb eine breit angelegte Razzia in mehr als 40 Wohnungen und Büros gegeben. Im Visier der Stader Behörde als Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität im Norden des Landes stehen insgesamt 14 Beschuldigte: aktive und ehemalige Vorstandsmitglieder sowie mehrere Spieler des Vereins.

Das ist nicht alles. Wegen Steuervergehen haben auch Spieler und Verantwortliche des TUS Heeslingen im Kreis Rotenburg sowie des VSK Osterholz-Scharmbeck Besuch von den Steuerfahndern bekommen. „Die Vorwürfe sind identisch“, sagt Staatsanwalt Breas. In Heeslingen waren die Fahnder schon Ende 2011 angerückt, unter anderem beim Trainer der Oberligamannschaft. Torsten Gütschow ist in Hannover kein Unbekannter: In der Zweitligasaison 1994/95 traf der Außenstürmer 16-mal für 96.

Nach Angaben des Vorstandes verlangen Finanzamt und Sozialversicherungsträger für die Jahre 2007 bis 2010 beinahe eine Million Euro. Spielergehälter können nicht mehr gezahlt werden, der Verein, als Drittplatzierter eigentlich gut im Rennen um den Aufstieg in die Regionalliga, wird wohl Insolvenz beantragen.

Noch mehr als die beiden Fünftligisten hat offenbar der Sechstligist aus Osterholz-Scharmbeck auf dem Kerbholz. Der VSK soll neben Lohnsteuer und Sozialabgaben zudem Gewerbesteuer hinterzogen haben. Dabei geht es laut Breas um die Einnahmen aus einem Freundschaftsspiel mit dem SV Werder Bremen im Mai 2010. Dem Verein wird vorgeworfen, die Eintrittsgelder und die Einnahmen aus der Bandenwerbung nicht korrekt beim Finanzamt angemeldet zu haben. Insgesamt geht es nach Breas’ Angaben beim VSK um einen „höheren sechsstelligen Betrag“. Nicht nur Uli Hoeneß am Tegernsee fragt sich also derzeit, „wie es so weit kommen konnte, der ganze Mist“.

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