Tod der Küsterin

Auch Sohn unter Verdacht

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Foto: Kerzen und eine Todesanzeige für die am Samstag in Braunlage getoetete Küsterin Elke C. stehen am Dienstag in Braunlage auf der Treppe der Kirche.

Braunlage - Im Mordfall der Braunlager Küsterin steht nun auch ein Sohn unter dringendem Tatverdacht. Das Amtsgericht Braunschweig habe Haftbefehl gegen den 20-Jährigen erlassen, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit - wegen Beihilfe zum Mord.

Zuvor war bereits der Vater als Mordverdächtiger in Untersuchungshaft gekommen, nachdem er sich in Begleitung des Sohnes und einer zwölfjährigen Tochter der Polizei gestellt hatte.

Spuren vom Tatort bestätigen nach Angaben der Ermittler den Verdacht, dass die Küsterin und zehnfache Mutter in den Räumen der katholischen Kirche erschossen wurde. In deren Keller war ihre Leiche am Sonnabendmorgen entdeckt worden. Auch wann die 48-Jährige erschossen wurde, lässt sich inzwischen genauer sagen. „Der Tatzeitraum wird auf die Abendstunden des vergangenen Freitags begrenzt“, berichtete Julia Meyer, Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Braunschweig.

Anschließend seien Vater und Sohn gemeinsam mit der zwölfjährigen ins Ausland geflüchtet - möglicherweise handelte es sich um Griechenland, wo der frühpensionierte Verwaltungsbeamte zuvor schon zeitweise gelebt haben soll. Von dort seien sie am Sonntag zurückgekehrt und hätten sich freiwillig in München zur Polizei begeben. Weitere Angaben will die Staatsanwaltschaft nicht machen, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. „Vater und Sohn haben widersprüchliche Aussagen zum Tathergang gemacht“, sagte Meyer. Diese gelte es nun mit den Spuren vom Tatort abzugleichen.

Die Behördensprecherin bestätigte, dass es sich bei den zehn Kindern der Familie ausschließlich um leibliche gemeinsame Kinder handelt. Zunächst waren im Ort Gerüchte im Umlauf, einige der Jungen und Mädchen im Alter von zwei bis 23 Jahren seien Pflegekinder. Die minderjährigen Kinder sind nach der Tat vom Jugendamt des Kreises Goslar in Pflegefamilien vermittelt worden.

Der Haftbefehl gegen den 20 Jahre alten Sohn habe in Braunlage „niemanden überrascht“, sagte am Dienstag Bürgermeister Stefan Grote. „Damit war eigentlich zu rechnen. Alle wussten, dass der Sohn mit dem Vater zusammen die Familie verlassen hatte.“ Als Schüler der Haupt- und Realschule sei der Junge durch häufige Abwesenheit aufgefallen. Das könne mit der Trennung der Eltern zu tun gehabt haben.

Als Mordmotiv des Vaters werden in dem Harzort Streit um die laufende Scheidung und ihre finanziellen Folgen vermutet. Nach seinem Auszug aus dem großen Eigenheim am Stadtrand habe der Beamte seine Frau „nicht an die Konten herangelassen“. Daraufhin seien der Familie Strom und Wasser gesperrt worden; sie zog in zwei Wohnungen um.

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