Schulen verschlafen Änderung

Aufgabenpanne bei Abitur-Arbeit

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Zentralabitur mit Pannen: Eine Aufgabe in der Französischklausur überraschte einige Schüler in Niedersachsen. Statt um Lyrik ging es auf einmal um Umweltschutz.dpa

Hannover - Rund 50 Abiturienten an drei Schulen in Niedersachsen haben am vergangenen Mittwoch eine Französischklausur geschrieben mit einer Aufgabe, die eigentlich gar nicht für sie vorgesehen war. Der Fehler war erst einen Tag zuvor aufgefallen einige Schulen reagierten zu spät.

Nach Informationen der HAZ sollten sie einen Sachtext über Ölpest und Umweltverschmutzung bearbeiten, während sie sich im Unterricht mit dem literarischen Bild des Meeres befasst und unter anderem Barockgedichte analysiert hatten. Die Aufgabe mit dem ökologischen Sachtext war eigentlich für Prüflinge eines Grundkurses bestimmt, war aber in der Klausur für den Leistungskurs gelandet.

Das Land legt seit 2006 die Prüfungsfragen für alle Schulen fest. An dieser Panne sei aber nicht das Zentralabitur schuld, hieß es am Montag im Kultusministerium. Denn hier sei der Fehler vorher aufgefallen, wenn auch erst sehr spät. Die Abiturienten hätten eine korrekte Prüfung ablegen können, wenn die Schulen rechtzeitig ihre E-Mails gelesen hätten. Denn am Tag vor der Klausur seien alle Schulen noch vor 14 Uhr informiert worden, dass eine Teilaufgabe kurzfristig geändert werden müsse, sagte Ministeriumssprecherin Susanne Schrammar. Und die neue Aufgabe sei noch vor 15 Uhr verschickt worden. Das veränderte Lehrermaterial sei dann am Tag der Klausur gegen 7.30 Uhr eingetroffen.

Drei Schulen hätten es aber leider versäumt, die E-Mail zu lesen und die veränderte Teilaufgabe abzurufen. „Grundsätzlich sind die Schulen verpflichtet, an jedem Prüfungstag vor Beginn einer schriftlichen Prüfung eventuelle aktuelle E-Mail-Nachrichten des Kultusministeriums abzurufen“, sagte Schrammar. Alle Abiturienten seien nach Bekanntwerden des schulinternen Versäumnisses informiert worden und könnten jetzt selbst entscheiden, ob sie die Arbeit bewerten lassen oder noch einmal schreiben möchten.

Dem Vernehmen nach ist die Panne den betroffenen Abiturienten nicht besonders bitter aufgestoßen. Sie hätten die Aufgabe trotzdem lösen können, hieß es. „Schüler sind relativ cool“, sagt Horst Audritz, Vorsitzender des Philologenverbandes, „sie wissen auch, dass die Klausuren nicht allein entscheidend sind, sondern zur Abiturnote auch die Vorleistungen zählen.“ Dennoch seien Pannen und fehlerhafte Klausuren sehr unglücklich, weil die Schüler in der Prüfungssituation unter Druck ständen. Abhilfe könnte möglicherweise eine strengere Überprüfung der Abiturfragen im Vorfeld schaffen. Aber meist seien nur wenig Personen mit der Entwicklung der Prüfungsfragen befasst, kritisierte Audritz. „Wenn nur wenige Menschen die Klausurausarbeitung kennen, fehlt die Kontrolle von außen.“

Keven Knipping vom Landesschülerrat sagte, aus Schülersicht sei es jedenfalls besser, wenn eine für den Grundkurs gedachte Frage in einer Klausur für den Leistungskurs auftaucht als umgekehrt.

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