Studie der Bertelsmann-Stiftung

Ausbau von Ganztagsschulen gerät ins Stocken

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Foto: Rund 288.000 Kinder haben im vergangenen Schuljahr in Niedersachsen eine Ganztagsschule besucht.

Hannover - Ganztagsschulen werden in Niedersachsen immer beliebter. Auch bundesweit ist die Nachfrage nach weiteren Plätzen enorm. Dennoch stockt der Ausbau, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung offenbart.

Knapp 40 Prozent der Schüler zwischen der ersten und zehnten Klasse, insgesamt rund 288.000 Kinder, hat im vergangenen Schuljahr in Niedersachsen eine Ganztagsschule besucht. Mit einem Anteil von 39 Prozent liegt der Anteil nicht nur über dem Vorjahr (25,2 Prozent), sondern auch noch deutlich über dem Bundesschnitt von 32,3 Prozent. Darauf verweist der Essener Bildungsforscher Prof. Klaus Klemm in seiner neuen Studie, die er im Auftrag der Bertelsmann- Stiftung erstellt hat. Die Nachfrage ist allerdings deutlich höher.

Bundesweit wünschen sich rund 70 Prozent der Eltern eine Ganztagsschule für ihre Kinder. "Der Ausbau der Ganztagsschulen muss mehr Fahrt aufnehmen, Ganztagsschulen ermöglichen eine bessere individuelle Förderung aller Kinder und damit mehr Chancengerechtigkeit." Die Unterschiede zwischen den Bundesländern beim Ganztagsausbau sind enorm: In Sachsen gehen schon knapp 80 Prozent der Schüler zu Ganztagsschulen, in Hamburg sind es 62 Prozent, in Bayern dagegen nur 12,4 Prozent.

Gerade den verpflichtenden Ganztagsschulen schreiben Wissenschaftler den höchsten Lernnutzen zu, aber diese Form des Ganztagsangebot wird nur von wenigen genutzt. In Niedersachsen gehen nur 11,3 Prozent zu gebundenen Ganztagsschulen, 27,7 Prozent haben sich für die freiwillige Variante angemeldet. Nur in fünf Ländern, darunter Bremen und Mecklenburg-Vorpommern, liegt der Anteil der Kinder, die am gebundenen Ganztag teilnehmen, über der Nutzerquote für freiwillige Angebote. In Hessen und Schleswig-Holstein gehen sogar weniger als fünf Prozent der Erst- bis Zehntklässler zu Pflicht- Ganztagsschulen. Bundesweit sind es 14,4 Prozent gegenüber 18 Prozent an freiwilligen Ganztagsschulen.

Stiftung fordert Rechtsanspruch

Ohne große öffentliche Anstrengungen hätten laut Klemm bis 2020 nur zwei von drei Schülern die Chance auf einen Ganztagsplatz. Deshalb fordert die Bertelsmann-Stiftung einen Rechtsanspruch auf einen solchen Platz. Dabei komme es beim Ausbau auch auf die Qualität an, betonte Dräger: Ganztagsschule müsse mehr sein als Halbtagsschule mit Nachmittagsbetreuung.

Genau auf diesen Paradigmenwechsel setzt Niedersachsen Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD), die bis 2017 rund 260 Millionen Euro in den Ganztagsausbau stecken will. Schon ab August sollen die Schulen deutlich besser mit Lehrerstunden ausgestattet werden, der Zuschlag wird künftig nicht mehr pro Klasse, sondern nach teilnehmendem Schüler berechnet. So sollen auch mehr Lehrer am Nachmittag eingesetzt werden können, nicht nur für Unterricht, sondern auch für Hausaufgabenbetreuung, Förderstunden und Arbeitsgemeinschaften. Außerdem wünscht sich die Ministerin auch, dass sich mehr Schulen für verpflichtende Angebote interessieren. Bereits zum neuen Schuljahr wollen landesweit 18 Schulen, darunter 17 Integrierte Gesamtschulen, von offenen zu gebundenen Angeboten wechseln, zuletzt waren 111 weitere Ganztagsschulen genehmigt worden, größtenteils Grundschulen.

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