Tausende Niedersachsen verlassen die Kirche

Austrittswelle in katholischen Bistümern

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Foto: Für die Bistümer in Niedersachsen sieht es düster aus: Tausende Menschen traten aus der katholischen Kirche aus.

Osnabrück - Auch wenn Papst Franziskus bei den Menschen beliebt ist - die katholische Kirche steckt in einer tiefen Vertrauenskrise. Die Austrittszahlen steigen sprunghaft an. Das bekommen auch die Bistümer in Niedersachsen und Bremen zu spüren.

Die katholischen Bistümer in Niedersachsen und Bremen spüren einen zunehmenden Vertrauensverlust. Die Zahl der Austritte im Bistum Hildesheim stieg 2013 um fast 43 Prozent auf 6309. Im Offizialat Vechta, dem niedersächsischen Teil des Bistums Münster, kletterte die Zahl um 59 Prozent auf 1364 Austritte. Spitzenreiter bei den Austrittszahlen ist das Bistum Osnabrück, wo 3026 Menschen aus der Kirche austraten - 60 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Der Bischof von Münster, Felix Genn, und der Generalvikar des Bistums Osnabrück, Theo Paul, führten die sprunghaft gestiegenen Austrittszahlen am Freitag ausdrücklich auch auf die Diskussionen um den umstrittenen früheren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zurück. Der NDR hatte zuvor über die Austrittswelle in den niedersächsischen Bistümern berichtet.

„Wir haben als katholische Kirche in Deutschland ganz offensichtlich ein massives Glaubwürdigkeitsproblem“, hieß es in der Stellungnahme des Münsteraner Bischofs Genn. Die hohen Kirchenaustrittszahlen seien ein deutlicher Warnschuss. Die Kirche müsse verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Sein Bistum habe die beiden Marketing-Experten Heribert Meffert, emeritierter Marketing-Professor aus Münster, und Peter Kenning, Lehrstuhlinhaber für Marketing an der Zeppelin-Universität Friedrichshafen, mit einer systematischen Analyse über die Ursachen der Kirchenaustritte beauftragt.

Ein Rezept, wie sich Vertrauen wieder gewinnen lasse, habe auch das Bistum Osnabrück nicht, sagte dessen Sprecher Hermann Haarmann. „Ganz wichtig ist Offenheit und Transparenz, gerade auch in finanziellen Fragen.“ Die Kirche müsse auf die Menschen und ihre Probleme hören und niemanden ausschließen: „Zu dem, der Kirchensteuer zahlt, muss ich auch Verbindung halten, auch wenn er nicht zur Kirche geht.“

Das Bistum Hildesheim schreibe jedem Ausgetretenen einen Brief mit der Einladung zu einem Gespräch, sagte Pressesprecher Volker Röpke. „Zum Teil versuchen einige Pfarrer auch über andere Wege mit ihnen Kontakt aufzunehmen, etwa über Facebook.“

Neue Wege der Kommunikation beschreite das Bistum seit Juni auch mit einer Mitgliederzeitung, die zunächst für zwei Jahre alle zwei Monate an alle Gläubigen verschickt werde. Erste Erfahrungen mit einem entsprechenden Pilotprojekt in Braunschweig seien positiv verlaufen.

dpa

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