Baltrum

Ausverkauf von Immobilien wird auf Inseln zum Problem

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Der neue Bürgermeister der kleinsten ostfriesischen Insel Baltrum, Berthold Tuitjer, will zusammen mit den anderen Inselbürgermeistern Lösungen dafür entwickeln, damit sich Insulaner bezahlbaren Wohnraum noch leisten können.

Baltrum - Die kleinste ostfriesische Insel Baltrum hat rund 500 Einwohner – und seit Kurzem einen neuen Bürgermeister. Berthold Tuitjer kommt vom Festland und muss sich noch umstellen auf das Inselleben.

21 Jahre hat Berthold Tuitjer bei der Stadt Emden gearbeitet - im März wurde er mit 64 Prozent der Stimmen zum neuen Bürgermeister auf der kleinsten ostfriesischen Insel Baltrum gewählt. Anfang 1. Mai trat der 44 Jahre alte parteilose Diplom-Verwaltungswirt seinen neuen Job an. Für seine achtjährige Amtszeit hat er sich viel vorgenommen.

Von der größten ostfriesischen Stadt Emden mit 50.000 Einwohnern ziehen Sie um auf die kleinste ostfriesische Insel mit 500 Bewohnern: Warum wollten Sie ausgerechnet Bürgermeister auf Baltrum werden? Das ist hier wirklich ein ganz kleiner sozialer Kosmos. Bei fünf Kilometern Länge und 1,5 Kilometern Breite ist Baltrum nur sechseinhalb Quadratkilometer groß. Hier kennt jeder jeden: Das hat Risiken wie die soziale Kontrolle. Vor allem hat es aber Chancen. Denn Netzwerke sind hier schnell zu knüpfen, die Wege sind kurz, und die Ansprechpartner klar. Vieles lässt sich nur basisdemokratisch lösen. Diese Vielschichtigkeit und eben die Überschaubarkeit haben mich gereizt.

Welche Baustellen warten auf Sie?

Themen wie Finanzen, Personal und Tourismus sind eine große Herausforderung. Die ärztliche Versorgung ist zum Glück gesichert, nachdem ein Nachfolger für die frühere Inselärztin gefunden wurde. Auch die Schulversorgung ist mit einer Sonderregelung für die kombinierte Grund- und Oberschule geklärt. Allerdings steht ein Schulumbau an und die Dorferneuerung muss umgesetzt werden. Zudem arbeiten wir an einem Marketingkonzept, um den besonderen Reiz der Insel für Touristen heraus zu stellen. Die Gästezahlen sind zwar nicht rückläufig, wir wollen aber neue Felder erschließen. So gibt es hier ein gutes Revier für Kitesurfer. Das muss aber im Einklang mit dem Naturschutz geregelt werden.

Viele Inseln kämpfen inzwischen mit Wohnungsnot: Häuser werden immer öfter an Besitzer vom Festland verkauft, Insulaner können sich bezahlbaren Wohnraum kaum noch leisten. Wo werden Sie wohnen?

Der Ausverkauf von Immobilien ist inzwischen auf vielen Inseln ein Problem. Rechtlich ist es kaum zu verhindern, dass Häuser an auswärtige Besitzer verkauft werden, die sich dann nicht mehr aktiv am Inselleben beteiligen. Alle Inselbürgermeister arbeiten an diesem Thema zusammen, um Lösungen zu entwickeln. Für mich selbst gibt es keine Dienstwohnung, sondern eine Mietwohnung aus kommunalem Besitz. Meine Familie bleibt in Emden, aber an den Wochenenden werden wir uns wieder sehen. Schließlich verkehren ja täglich bis zu drei Fähren zum Festland.

dpa

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