Alternative zum Mais

Backwaren könnten kleine Biogasanlagen füttern

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Brot vom Vortag könnte künftig als Energiequelle nutzbar sein.

Twist - Statt Mais von riesigen Monokulturen könnten auch andere Produkte kleine Biogasanlagen füttern. Ein Bäcker will überschüssige Backwaren als Energiequelle nutzen.

Die Idee klang verlockend: Der Energieträger der Zukunft wächst einfach auf den Feldern. Riesige Maisplantagen liefern Strom und Wärme. Für die Landwirte ist das sogar ein gutes Zubrot. Inzwischen hat die gute Sache aber auch Probleme hervorgebracht. Kritiker sprechen längst von der „Vermaisung“ der Landschaft. Seit Anfang des Jahres soll ein verändertes Erneuerbares-Energien-Gesetz (EEG) Besserung bringen, das den Einsatz von kleineren Biogasanlagen fördern will. Statt mit Mais werden sie mit Gülle und anderen organischen Abfallprodukten gefüttert.

Für die neue Technik interessiert sich auch der Lingener Bäckermeister Peter Lüttel. „Bäckereibetriebe werfen acht bis zehn Prozent ihrer Produktion jeden Tag weg“, sagt der Unternehmer. Bäckereiverkaufsstellen müssten bis kurz vor Ladenschluss einen großen Teil ihres Sortiments vorhalten, von dem nicht alles verkauft werde. „Brot vom Vortag kauft aber keiner“, sagt Lüttel. Die überschüssigen Backwaren sind also Abfall. Lüttel hofft, sie künftig als Energiequelle zu nutzen.

Das neue EEG fördere kleine Biogasanlagen mit nicht mehr als 75 Kilowattstunden Leistung mit einer Vergütung von 25 Cent pro Kilowattstunde, sofern sie mit mindestens 80 Prozent Gülle gefahren werden, sagt der Biogasexperte des BUNDNiedersachsen, Michael Kralemann. „Als BUNDfinden wir das sehr positiv, weil das die Dezentralität stärkt“, betont Kralemann. „Das macht den Weg frei zur Eigenversorgung und zu autarken Betrieben“, meint Wilfried Gravel von der Energieagentur des Landkreises Emsland.

„Ich denke, das ist die Antwort auf die Probleme im Biogas-Sektor“, sagt der technische Geschäftsführer des Meppener Biogas-Unternehmens Corntec, Hermann Rugen. Seine neue Anlage arbeitet prinzipiell mit allen vergärbaren organischen Reststoffen. „Um sie zu betreiben, muss nicht extra Mais angebaut werden, sondern es wird verwertet, was an Reststoffen übrig bleibt.“

Lüttel überlegt nun, mit anderen Bäckern gemeinsam eine solch kleine Biogasanlage zu betreiben. „Die Gülle bekomme ich von meinem Schwiegervater, der Landwirt ist“, sagt er. Für sein Unternehmen suche er ständig nach Möglichkeiten, die Energiekosten zu reduzieren. Schon vor zehn Jahren habe er ein erstes Blockheizkraftwerk (BHKW) gebaut. Jetzt seien für den Bäckerei-Betrieb mit 40 Angestellten zwei BHKW im Einsatz. „Jährlich sparen wir so 12 000 Euro.“

Auch BUND-Experte Kralemann lobt die neuartigen Bioagasanlagen für die Verwertung von Reststoffen. „Die Verwertung von Reststoffen ist ja der Urgedanke des Biogases.“ Es sei zu hoffen, dass die Anlagen von vielen Landwirten genutzt würden. In Niedersachsen sei die Zahl der Biogasanlagen, die mit Abfällen arbeiten, über die Jahre konstant bei unter hundert geblieben. Insgesamt gebe es in dem Bundesland 1400 Biogasanlagen. Laut Landwirtschaftsministerium werden in Niedersachsen Energiepflanzen auf derzeit rund 15 Prozent der Agrarflächen angebaut.

Als Reaktion auf das geänderte EEG bieten nach Angaben des Fachverbandes Biogas fast alle Biogasanbieter kleine 75-KW-Anlagen an, sagt Verbandssprecherin Andrea Horbelt. „Die Nachfrage ist nicht so toll“, stellt sie jedoch fest. Hohe Auflagen stünden einem Erfolg derzeit im Wege - so müssen die Betreiber die vergorenen Reste noch 150 Tage lang lagern. „Das ist ein enormer finanzieller Aufwand“, sagt Horbelt. Das EEG alleine werde sicher nicht zu einem Boom bei den kleinen Anlagen führen, meint sie.

In Bayern beispielsweise habe das die Landesregierung schon erkannt. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wolle deshalb einen „Bayernplan“ auflegen, der zusätzliche Anreize zur Stromerzeugung aus Biomasse schaffe.

dpa

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