Krankheit

Ist Bäckerei schuld an Hepatitiswelle?

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Walsrode - Die Quelle für die Welle von Hepatitiserkrankungen im Heidekreis, in Verden und Lüneburg könnte gefunden sein. Offenbar handelt es sich um eine Bäckerei aus Walsrode. Deren Inhaberin jedoch weist den Verdacht zurück.

Der von einer Hepatitis-A-Welle erfasste Heidekreis ist bei der Suche nach einem Ansteckungsherd fündig geworden. „Das Virus wurde möglicherweise über einen Lebensmittel verarbeitenden Betrieb aus dem Heidekreis verbreitet“, teilte Landkreissprecher Andreas Pütz am Mittwoch mit. Dabei handelt es sich offenbar um eine Bäckerei in einem Walsroder Ortsteil. „Wir sind aber nicht der Verursacher“, sagte eine Mitinhaberin der HAZ. Auch ob sich über ihren 40 Mitarbeiter zählenden Betrieb Kunden angesteckt haben, sei aus ihrer Sicht nicht erwiesen. Der Kreis will am Donnerstag Details bekannt geben.

Unterdessen hat sich die Zahl der an der Leberentzündung erkrankten Niedersachsen weiter auf 53 erhöht. Außer im Heidekreis und dem Kreis Verden wurden nach Angaben des Landesgesundheitsamtes nun auch im Kreis Lüneburg zwei und im Kreis Rotenburg ein Patient gemeldet. Allein dem Gesundheitsamt des Heidekreises hatten Ärzte bis zum Mittwoch 33 Fälle gemeldet, im Kreis Verden waren es 16. Mittlerweile seien zwei weitere und somit sechs Walsroder Ortsteile betroffen, sagte Kreissprecher Pütz, 13 Kranke seien innerhalb eines Tages dazugekommen, meist Erwachsene im mittleren Alter. Keiner müsse im Krankenhaus behandelt werden.

Das Gesundheitsministerium in Hannover hob hervor, dass die Zahl der Erkrankten zwar ungewöhnlich hoch sei. „Es ist aber keine landesweite Ansteckungswelle zu befürchten“, sagte ein Sprecher. Vielmehr handele es sich um ein regionales Problem. Da zwischen Ansteckung und Ausbruch der nie chronisch verlaufenden Krankheit mehrere Wochen liegen, werde sich die Zahl der Patienten aber wohl noch erhöhen.

Der Leiter des Landesgesundheitsamtes, Matthias Pulz, kündigte für heute eine Darstellung darüber an, wie sich die Hepatitis-A-Viren, an denen gewöhnlich vereinzelt Urlauber nach ihrer Rückkehr aus warmen Ländern erkrankten, so schnell verbreiten konnte. Seine Behörde hatte die Landkreise bei den Ermittlungen unterstützt. Auch bei einer vergleichbaren Hepatitis-A-Welle im Jahr 2004 in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz war eine Bäckerei als Ansteckungsherd ausgemacht worden. Die Krankheit, zu der grippeähnliche Symptome und eine Gelbfärbung der Haut gehören können, wird in der Regel über Schmierinfektionen nach dem Toilettengang verbreitet. Daher wird sorgfältiges Händewaschen als Schutzmaßnahme empfohlen, vor allem vor der Zubereitung von Speisen.

Ob tatsächlich die besagte Bäckerei in Walsrode die Krankheit verbreitet hat, ist nach Darstellung der Chefin noch fraglich. Zwar seien zwei Mitarbeiter im Oktober wegen Hepatitis A krankgeschrieben gewesen, berichtete sie. Doch im Betrieb habe sich wohl niemand angesteckt, vier aktuelle Untersuchungsergebnisse stünden noch aus. Auch seien in der Stadt, wo die Bäckerei eine Filiale hat, keine Fälle bekannt geworden. „Es gibt hier in der Gegend die Theorie, dass sich die Leute bei einer Großveranstaltung angesteckt haben“, sagte die Mitinhaberin. Sie arbeite mit dem Kreis eng zusammen und habe stets einwandfreie Betriebshygiene bescheinigt bekommen.

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