Waldschadensbericht

Den Bäumen setzt die Gülle zu

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Foto: Die Wälder werden zu Langzeitpatienten – ein Grund ist Ammoniak aus der Massentierhaltung.

Hannover - 24 Prozent der Fläche in Niedersachsen sind bewaldet. Und vielen Bäumen geht es schlecht. Unter den negativen Einflussfaktoren nehmen Emissionen aus der Landwirtschaft eine immer bedeutendere Rolle ein. Doch auch der Klimawandel macht den hölzernen Riesen zu schaffen.

Die intensiv betriebene Tierhaltung in Niedersachsen führt zu einer enormen Schädigung der Wälder. Die Kronen der Bäume sind durch Schadstoffemissionen immer lichter geworden. Das ergibt sich aus dem Waldzustandsbericht, den das Landwirtschaftsministerium am Freitag in Hannover vorstellte.

Die EU-Verordnung, die die Höhe des Ammoniakausstoßes regelt, sieht seit 2010 für Deutschland eine Höchstmenge von 550 Kilotonnen vor, die allerdings im Jahr 2011 mit einer Gesamtmenge von 564 Kilotonnen überschritten wurde – seitdem droht eine EU-Klage wegen Vertragsverletzung. Brisant daran ist, dass Niedersachsen mit seiner großen Zahl an Tiermastbetrieben Hauptverursacher der Ammoniakemissionen in Deutschland ist – 23 Prozent des deutschlandweiten Ausstoßes entstehen allein hierzulande. „Dieses Problem müssen wir durch strengere Auflagen für Tierställe in den Griff bekommen“, sagt Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne). Denn 94 Prozent des Ammoniaks stammten aus der Landwirtschaft. In Regionen mit besonders vielen Großbetrieben wie Cloppenburg und Vechta sei die Bodenbelastung der umliegenden Wälder infolgedessen am größten. Außerdem ist die Zahl der Hühner und Schweine Meyer zufolge in Niedersachsen sogar noch gestiegen, was die Problematik verschärfe.

Der Waldbericht

Der Waldzustandsbericht untersucht seit 30 Jahren den Gesundheitszustand der wichtigsten Baumarten. Die jährliche Erhebung wird von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) durchgeführt, Auftraggeber ist das Landwirtschaftsministerium. Der Bericht hat die rund 1,1 Millionen Hektar Wald überprüft. Niedersachsen hat mit 24 Prozent einen vergleichsweise geringen Waldanteil – im bundesweiten Vergleich liegt das Land an drittletzter Stelle.

Ammoniak entsteht durch die Zersetzung von Tierexkrementen. Es verbreitet sich über die Luft, lagert sich dann in Waldböden ab, diese versauern. Der im Ammoniak enthaltene Stickstoff regnet pro Jahr in einer Menge von bis zu 27 Kilogramm pro Hektar auf die Bäume herab oder wird von den Kronen ausgefiltert. Die Stoffe beeinträchtigen das Pflanzenwachstum. Die Kronenverlichtung, also der Nadel- und Blattverlust betrifft, 16 Prozent des Waldes, bei den mehr als 60 Jahre alten Bäumen doppelt so viele. Alte Eichen und Buchen reagieren besonders sensibel auf die negativen Umwelteinflüsse, sie haben fast ein Drittel ihrer Blattmasse verloren; niedersächsische Kiefern haben einen Nadelverlust von 30 Prozent.

Trockenheit, Insekten und Frostschäden setzen den Wäldern außerdem zu. Durch den Klimawandel erhöht sich der Untersuchung zufolge zudem die Gefahr von Waldbränden. Darüber hinaus haben sich die Waldbestände infolge der Zerstörungen im und nach dem Zweiten Weltkrieg immer noch nicht vollständig erholt. Aufgrund der Baumverteilung ist das südliche Niedersachsen nach Meyers Angaben mit seinen Buchen und Fichten von den Schäden stärker betroffen als der Norden, wo es mehr Kiefern gibt. Der Anteil von stark geschädigten Bäumen liegt mit 1,6 Prozent allerdings auf einem niedrigen Niveau, ebenso wie die Absterberate mit 0,1 Prozent. Meyer will den Zustand der Wälder unter anderem mit Luftfilteranlagen in Großställen und der Abdeckung von Güllelagern verbessern. Zudem sollen die Waldböden weiterhin gekalkt werden, um das Ammoniak zu neutralisieren.

So steht es um die einzelnen Baumarten

Buche: Die Buche litt in den vergangenen Jahren unter der höchsten Kronenverlichtung, jetzt hat sich der Wert mit 26 Prozent etwas stabilisiert. Sie hat die niedrigste Absterberate.

Eiche: Deutschlands beliebtester Laubbaum ist seit jeher ein Sorgenkind: Mit 32 Prozent ist die Eiche die am stärksten verlichtete Baumart Niedersachsens. Neben Schadstoffen setzen Frost und Pilzbefall ihr besonders zu, so kann sie sich kaum von den wiederkehrenden Insektenfraßschäden erholen.

Fichte: Der Nadelbaum reagiert sehr sensibel auf negative Umwelteinflüsse, die Kronenverlichtung beträgt 30 Prozent. Jüngere Fichten sind robuster. Der Schädigungsgrad von 2,5 Prozent liegt weit über dem Durchschnitt.sam

Von Sabrina Mazzola

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