Defekte Klimaanlagen

Die Bahn kämpft mit der Hitze

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Vor zwei Jahren zahlte die Bahn nach Problemen mit Klimaanlagen Entschädigungen im Wert von knapp vier Millionen Euro.

Berlin/Hannover - Temperaturen weit über 30 Grad und jede Menge Reisende: Bei der Bahn machen wieder Klimaanlagen schlapp, manche Fahrgäste warten vergeblich auf ihre Züge, andere müssen wieder aussteigen – die Bilanz eines Sommerwochenendes.

Hitze, streikende Klimaanlagen, teils arg genervte Fahrgäste: Wegen der Rekordtemperaturen am Wochenende sind bei der Bahn Züge und Klimaanlagen ausgefallen. Am Sonntag seien auf rund 800 Fernverkehrsfahrten gut zwei Dutzend Züge gestrichen oder auf Teilstrecken aus dem Verkehr genommen worden, teilte die Deutsche Bahn am Montag in Berlin mit. Das entspreche einer Ausfallquote von fast vier Prozent.

In anderen Fällen mussten Passagiere innerhalb eines Zuges auf andere Wagen ausweichen, wenn die Klimaanlage in Teilen des Zuges streikte. Laut Bahn gab es aber nicht nur wegen steigender Temperaturen Probleme. Es waren auch so viele Menschen unterwegs, dass einige Züge teilweise überbesetzt waren - und die Klimaanlagen an ihre Grenzen kamen. Schwerpunkt sei Nordrhein-Westfalen mit dem Ende der Schulferien gewesen, sagte ein Bahn-Sprecher.

Besonders strapaziert wurden am Sonntag zum Beispiel die Nerven von Fahrgästen auf dem Weg von Bremen nach Berlin. Ab Hannover hatten drei Anschlusszüge Richtung Hauptstadt Verspätung - teils deutlich mehr als eine Stunde. Die Bahnen waren zum Teil überfüllt, Menschen saßen auf den Gängen. Um überhaupt in die richtigen Züge im Bahnhof Hannover zu kommen, hatten Fahrgäste zuvor wiederholt Bahnsteige und Züge wechseln müssen. Schwitzende Passagiere - einige mit Kindern - sprachen von Chaos und beklagten fehlende Informationen der Bahn.

Am Sonntagnachmittag rief die Bahn sogar die Polizei zu Hilfe: Beamte der Bundespolizei räumten im Hauptbahnhof einen überfüllten Zug. Der Intercity 917, der in Richtung Koblenz unterwegs war und aus Mecklenburg Vorpommern kam, sollte eigentlich um 15.56 in Hannover seine Fahrt fortsetzen. Doch da in einem der Waggons die Klimaanlage ausgefallen war, die Fahrgäste aber wegen der Überfüllung auch auf den Gängen des Zugs Platz nehmen mussten, entschied sich die Behörde zu dem ungewöhnlichen Schritt. „Wir haben alle Passagiere ohne Sitzplatzanspruch gebeten, den betroffenen Zug zu verlassen und auf nachfolgende zu warten“, sagt Bundespolizeisprecher Detlef Lenger. Rund 60 Reisende stiegen schließlich in Hannover aus. Der Intercity konnte seine Fahrt erst mit knapp 90 Minuten Verspätung fortsetzen.

Auch in Dortmund holte die Bundespolizei Fahrgäste aus einem völlig überfüllten Zug in Richtung Berlin, damit dieser sich überhaupt in Bewegung setzen konnte. Das sei nicht ungewöhnlich - denn aus Sicherheitsgründen dürfe nur eine bestimmte Anzahl an Passagieren transportiert werden, erklärte ein Bahn-Sprecher. Ohnehin befördere die Bahn freitags und sonntags die meisten Fahrgäste, die Steigerung liege an diesen Tagen bei bis zu 30 Prozent.

Fälle, in denen Fahrgäste ernste gesundheitliche Probleme gehabt hätten, seien vom Wochenende nicht bekannt. Das Unternehmen bedauerte die Einschränkungen und stellte Entschädigungen und Kulanzleistungen für betroffene Fahrgäste in Aussicht. Trotz anhaltender Hitze auch am Montag seien bis zum Mittag keine Ausfälle gemeldet worden, sagte der Sprecher. Die Quote bei Zugausfällen pro Jahr liege bei unter einem Prozent.

Besonders große Probleme mit den Klimaanlagen hatte die Bahn aber im Sommer 2010, als sich tumultartige Szenen in einem überhitzten ICE zwischen Hannover und Bielefeld abspielten und auch in zahlreichen anderen ICE Klimaanlagen ausfielen. Zwischen Hannover und Bielefeld waren im Juli 2010 Fahrgäste in dem ICE kollabiert. Vom Hauptbahnhof Bielefeld aus waren damals neun Jugendliche ins Krankenhaus gebracht worden, einige hatten Infusionen erhalten. Insgesamt waren 27 Schüler medizinisch versorgt worden.

Der Vorfall hatte keine strafrechtlichen Konsequenzen. Bundesweit liefen wegen der Hitze-Pannen der Bahn acht Ermittlungsverfahren bei der Bundespolizei. Die 27 000 betroffenen Passagiere bekamen von der Bahn Entschädigungen im Wert von knapp vier Millionen Euro. Im Frühsommer 2011 hatte es erneut rund 20 Mal Probleme mit der Klimaanlage bei ICE-Zügen gegeben.

tm/dpa

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