Güterverkehr

Bahn stellt Alternativen zur Y-Trasse vor

+
Wohin geht die Reise? Vom stark beanspruchten Rangierbahnhof Maschen bei Hamburg kommt demnächst eine Weiterfahrt über eine Neubaustrecke nach Unterlüß und von dort über Celle nach Hannover infrage.

Hannover - Jetzt sind die Bürger dran. Die Deutsche Bahn hat mögliche Varianten zur seit Jahren geplanten Y-Trasse im Dreieck zwischen Hamburg, Hannover und Bremen vorgestellt. Nun soll die Bevölkerung in die Planung eingebunden werden.

Der Ausbau des Güterverkehrsnetzes in Niedersachsen ist einen Schritt weitergekommen. Am Donnerstag stellte die Bahn in Berlin die Varianten zur sogenannten Y-Trasse vor, mit denen nicht zuletzt die Seehäfen besser ans Schienennetz angebunden werden sollen. Die Machbarkeitsstudie listet auch die errechneten Kosten der möglichen Aus- und Neubauten auf. Außerdem wurde eine umfassende Bürgerbeteiligung zugesagt. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies äußerte sich im Anschluss erfreut, dass „die Bahn das Thema jetzt zügig angehen“ wolle. „Nur auf Basis einer umfassenden Beteiligung ist eine belastbare Entscheidung für eine der Varianten möglich“, sagte der SPD-Politiker. „Niedersachsen wird sich aktiv in die Bürgerbeteiligung einbringen.“

Vertreter von Bahn, CSU-geführtem Bundesverkehrsministerium sowie der betroffenen Bundesländer Niedersachsen, Bremen und Hamburg sprachen vier Stunden lang über die Vor- und Nachteile der Varianten. Dabei zeigte sich erneut, dass die klassische Y-Trasse wohl vom Tisch ist. Die Fachleute der Bahn nannten sie die mit 2,6 Milliarden Euro „teuerste Variante“. Mit 2,5 Milliarden Euro fast ebenso teuer wäre ein sogenanntes „Güterverkehrs-Y“ mit ähnlichem Streckenverlauf. „Hohe Kosten, kein Fahrtzeitgewinn für den Personenverkehr“, heißt es in der Einschätzung.

In den Fokus gerät nun eine Neubaustrecke, die den Rangierbahnhof Maschen südlich von Hamburg mit Unterlüß verbindet. Dies sei mit 1,9 Milliarden Euro die „günstigste Variante“, heißt es in der Bahnstudie. Zudem lasse der Verlauf durch die dünn besiedelte Lüneburger Heide „geringste Betroffenheiten“ erwarten - was nicht zuletzt weniger Auseinandersetzungen mit Bürgerinitiativen und anderen von Lärm und Landschaftszerschneidung betroffenen Gegnern bedeutet. Dagegen würde der Ausbau der vorhandenen Strecke Hamburg-Lüneburg-Celle auf der einen und Wunstorf-Nienburg auf der anderen Seite „geringen Fahrtzeitgewinn und hohe Betroffenheiten“ mit sich bringen. Der Abschnitt Wunstorf-Nienburg wird aber auch im Zusammenhang mit der Neubaustrecke Maschen-Unterlüß geprüft.

Zusätzlich gründlich untersucht hat die Bahn die sogenannte Amerikalinie zwischen Langwedel (Kreis Verden) und Uelzen. Für deren Ausbau als Anbindung des Jade-Weser-Ports und anderer Seehäfen wirbt vor allem Niedersachsens Wirtschaftsminister Lies. „Wir brauchen eine zügige Elektrifizierung für den Güterverkehr“, sagt der Minister. Für den 97 Kilometer langen Abschnitt mit Südumfahrung von Soltau setzt die Bahn 1,7 Milliarden Planungs- und Baukosten an. Infrage kommt aber auch eine von Lies ins Spiel gebrachte Variante, die nur eingleisig wäre - und somit schneller und günstiger umzusetzen.

Felix Jahn vom Industrie- und Handelskammertag findet es „entscheidend, dass zu den Varianten eine intensive Beteiligung erfolgt“. So könnten schon im Zuge der Planungen Widerstände ausgeräumt und langwierige Klageverfahren vermieden werden. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) rechnet jedoch entlang der möglichen Neubaustrecke mit zahlreichen Bürgerinitiativen. „Wir wollen einen ressourcenschonenden Ausbau bestehender Netze“, sagt Landesvorsitzender Hans-Christian Friedrichs.

Kommentare