Mehr Schwertransporte auf der Straße

Bahn will weniger Verladebahnhöfen anfahren

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Foto: Schwertransporte mit Holz werden in Zukunft häufiger auf Niedersachsens Straßen unterwegs sein.

Hannover - Mehr Lkw-Verkehr in der Heide: Die Bahn-Tochter DB Schenker will das Netz von Verladebahnhöfen in der Lüneburger Heide ausdünnen und nur noch elf von 30 Verladestellen anfahren.

Schwertransporte mit Holz werden in Zukunft häufiger auf Niedersachsens Straßen unterwegs sein. Denn die Bahn-Tochter DB Schenker will das bislang als bundesweit vorbildlich geltende Netz von Verladebahnhöfen in der waldreichen Lüneburger Heide von Januar an drastisch ausdünnen. Von 30 nutzbaren Güterbahnhöfen sollen nur elf weiter angefahren werden, weil der Betrieb der anderen sich nicht lohne. In Wirtschaft und Politik regt sich Protest, heute ist die Zukunft der Güterbahninfrastruktur auf dem Land Thema bei einem Treffen in Hannover.

„Die Schließungen gefährden die kleinen Bahnstrecken insgesamt“, meint Sebastian Schülke, Betriebsleiter bei der Osthannoverschen Eisenbahn (OHE), die rund 300 Kilometer Schienennetz zwischen Celle, Winsen (Luhe) und Wittingen betreibt und dort zurzeit den Gütertransport abwickelt. Hierfür gibt es seit 1999 einen Kooperationsvertrag mit der Deutschen Bahn. Diese hat das Abkommen nun gekündigt und will den Transport selbst übernehmen.

Die OHE betont, das Geschäft mit der Fracht (neben Holz auch Chemikalien, Militärfahrzeuge, Öl und Gas) als Ganzes zu sehen. Die kleinen Stationen funktionierten dabei über „Mitnahmeeffekte“, bei Bedarf werde gehalten und Holz aufgeladen. DB Schenker dagegen hat jede Station einzeln auf Wirtschaftlichkeit überprüft. „Wenn an einem Bahnhof pro Woche nur ein Waggon beladen wird, rechnet sich das nicht“, sagt Geschäftsführer Mario Carl. Die Kritiker halten dies für kurzsichtig. „Wenn man das Angebot verschlechtert, schwächt man den ganzen Raum Nordostniedersachsen“, meint OHE-Betriebsrat Wilfried Tinat. Zunächst werde der Transport insbesondere des Holzes aufwändiger, weil weiter entfernte Verladebahnhöfe per Lastwagen angesteuert werden müssten. „Volkswirtschaftlich verteuert sich dadurch das Produkt.“ Zwar würden die Bahnhöfe nicht abgerissen, erläutert Hans-Christian Friedrichs vom Verkehrsclub Deutschland. „Wenn kein Einzelwagenverkehr für Holz mehr stattfindet, kommt das aber einer Stilllegung der Haltepunkte gleich.“. Die Weichen würden nicht mehr gepflegt, es wachse buchstäblich Gras drüber.

Die OHE kritisiert, dass die hoch subventionierte Deutsche Bahn die Verladebahnhöfe von ihrem eigenen Netz „von den Rändern aus“ anfahren will, um Trassengebühren zu sparen. Der Betrieb der abgelegenen Strecken lohne sich so immer weniger. Christian Witte, Logistikleiter bei Egger Holzwerkstoffe, fürchtet: „Wenn das Holz erst per Lkw 60 Kilometer zum nächsten Verladebahnhof gebracht werden muss, lohnt sich der Weitertransport auf der Schiene womöglich nicht mehr.“

Die Firma Egger im sauerländischen Brilon ist größter Holzkunde in dem Gebiet. Sie hat sich mit Waldbesitzern und anderen Betroffenen zusammengetan und das heutige Gespräch mit DB Schenker angeregt. Das Treffen soll bei der Landwirtschaftskammer stattfinden und über die Schließungspläne hinaus die Zukunft des Gütertransports zum Inhalt haben. „Es wird doch immer betont, dass der Transport auf der Schiene politisch gewünscht ist“, sagt Witte.

Das Anliegen hat sich nicht zuletzt Landesverkehrsminister Olaf Lies (SPD) auf die Fahnen geschrieben, der andernorts sogar stillgelegte Trassen reaktivieren will. „Ein Brief an die Firma Schenker ist in Arbeit“, sagt sein Sprecher. Lies sehe die Schließungen der Verladebahnhöfe kritisch: „Das wird zu mehr Lkw-Verkehr in der Heide führen und womöglich darüber hinaus.“ Die Einflussmöglichkeiten des Landes auf DB Schenker sind indes begrenzt.

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