Attentat

Barack Obama: „Wir ziehen euch zur Rechenschaft“

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Foto: In einer bewegenden Gedenkfeier in der Heiligkreuz-Kirche im Stadtzentrum von Boston rief Obama die Gemeinde auf, zusammenzurücken und dem Terror nicht zu weichen.

Washington/Boston - Noch sind die Bombenleger von Boston nicht gefasst, aber die zuständigen amerikanischen Behörden demonstrieren Zuversicht. Derweil hat Obama den ersten Tiefpunkt seiner zweiten Amtszeit errreicht.

Erst der Bombenanschlag in Boston, versuchte Giftanschläge, die auch ihn persönlich treffen sollten, und ein verheerendes Unglück in Texas. Und dann ereilt ihn auch noch eine überaus schmerzliche politische Niederlage: Ausgerechnet im Demokraten-dominierten Senat scheitert der Präsident an den notwendigen Stimmen für eine Verschärfung des Waffenrechts. Diese Turbulenzen halten den einstigen Chicagoer Sozialarbeiter aber nicht davon ab, am Donnerstag direkt zu den Menschen zu sprechen, die es mit am schwersten getroffen hat: den Terroropfern und deren Angehörigen.

In einer bewegenden Gedenkfeier in der Heiligkreuz-Kirche im Stadtzentrum von Boston ruft Obama die Gemeinde auf, zusammenzurücken und dem Terror nicht zu weichen: "Wir werden genesen, und wir werden wiederaufbauen." Unter dem Applaus der Trauernden ruft der "Commander in Chief" den Tätern zu: "Wir werden Euch finden. Wir werden Euch zur Rechenschaft ziehen."

Sein Appell, trotz der Trauer Stärke zu zeigen, entspricht durchaus der Stimmungslage im Land. Der Angriff auf eine demonstrativ friedliche Sportveranstaltung erscheint vielen Amerikaner als eine Provokation, auf die es schnell zu reagieren gilt. So sind es keineswegs nur die Behörden, die mit etwa 1000 Ermittlern am Fall arbeiten - zuzüglich unzähliger Polizisten und Nationalgardisten entlang der gesamten amerikanischen Ostküste.

"Irgendwer weiß, wer es war"

Auch in der Bevölkerung beginnt offenbar eine fieberhafte Suche nach den Verbrechern. Die Einschätzung des Chefermittlers Rick DesLauriers, wonach "irgendwer weiß, wer es war", wirkt motivierend. So berichtete Bostons Polizeichef Ed Davis am Donnerstag vor Journalisten von mehreren tausend privaten Videoaufnahmen, die die Bürger und Gäste des traditionsreichen Marathons den Ermittlern zur Verfügung stellen.

Tatsächlich haben die Terroristen die geballte Macht der Dokumentation offenbar unterschätzt. Auch wenn Festnahmen bisher dementiert werden, konzentriert sich die Fahndung zurzeit auf zwei Männer, die verdächtige Gegenstände an den Stellen abgelegt hatten, an denen es wenige Sekunden später zu den Detonationen kam. Auf mehreren Filmaufnahmen sollen sie zu sehen sein, heißt es in Boston.

Neben den Fernsehkameras und den Überwachungsanlagen der Einkaufszentren erweisen sich dabei vor allem die fast allgegenwärtigen Smartphones als wahrer Datenschatz, den es nun sorgsam auszuwerten gilt. Wie es der Zufall will, filmten die Zuschauer am Rand der Laufstrecke eben nicht nur die Sportler, sondern auch das umliegende Geschehen. Scheinbar belanglose Videoschnipsel, die im Zweifelsfall zu bedeutenden Beweismitteln mutieren.

Die Jagd hält an

Noch aber hält die Jagd auf den oder die Kopftopfbomber an.

Gegenüber dem Sender CNN sagte Gouverneur von Massachusetts, Deval Patrick: "Ich bitte die Bostoner, der Polizei die Zeit zu geben, um ihre Arbeit zu erledigen. Sie werden ihren Auftrag erfüllen, da bin ich sicher."

Überparteilichkeit demonstriert in dieser schwierigen Lage auch Mitt Romney, der frühere Gouverneur von Massachusetts. Obamas republikanischer Herausforderer vom vergangenen Jahr applaudierte dem Amtsinhaber während der Gedenkfeier mehrfach und betonte später: "Das war ein Angriff auf uns alle. Wir werden ihn gemeinsam zurückschlagen."

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