Ausgefallene Wandertrends

Barfuß unter Luchsen zur Liebesbank

+

Hannover - Einfach nur von A nach B wandern ist altmodisch. Niedersächsische Wandersleute und Spaziergänger wollen unterhalten werden – ob mit Luchsen oder mitten in der Nacht. Tourismusverbände lassen sich einiges einfallen.

Zum Froschkonzert, mit Champagner oder ganz ohne Schuhe: Wandern liegt nach Angaben von Tourismusexperten in Niedersachsen voll im Trend. „Die Leute wollen aber nicht nur stumpf wandern“, sagt Ulrich von dem Bruch, Geschäftsführer der Lüneburger Heide GmbH. „Sie wollen Erlebnisse und die Natur genießen.“ Dabei darf die Tour auch gerne etwas ausgefallener werden.

Für Verliebte: Auf ins Rendezvous mit Wanderschuhen? Möglich ist das im Harz. Im Goslarer Stadtteil Hahnenklee-Bockswiese stehen auf sieben Kilometern 25 handgefertigte Holzbank-Unikate. Jede ist einem besonderen Hochzeitstag gewidmet. Vom Tag der Heirat bis zur extrem seltenen Kronjuwelenhochzeit, die nach 75 Ehejahren gefeiert wird, ist alles dabei. Zu viel Hoffnung auf romantische Zweisamkeit sollten sich verliebte Paare aber nicht machen. „Etwa 250 000 Menschen wandern jedes Jahr auf dem Liebesbankweg“, schätzt Isabel Junior, Tourismus-Chefin in Hahnenklee.

Für Sportskanonen: Ein Smartphone oder Tablet ist unerlässlich auf dem „Green Sport Parcours“ in Egestorf im Kreis Harburg. Die Fitnessübungen entlang des acht Kilometer langen Wegs gibt es direkt auf das Smartphone. An zehn Stationen sind sogenannte QR-Codes angebracht. Werden diese mit Smartphone oder Tablet gescannt, können Videos mit Fitnessübungen und Tipps von Ex-Leichtathletin Heike Drechsler abgespielt werden. Als Sportgeräte dienen etwa ein Baumstumpf, Brückengeländer oder eine Parkbank. Einen weiteren Hightech-Trimm-Dich-Pfad gibt es in Hermannsburg im Kreis Celle, im Bau befinden sich Wege im Heidekreis und im Kreis Uelzen.

Für Luxusbewusste: Das Zielpublikum ist für Ulrich von dem Bruch, Geschäftsführer der Lüneburger Heide GmbH, schon klar, bevor die erste Wanderung überhaupt stattfindet: Touristen aus Hamburg. Sie sollen zum Sonnenuntergang den 169 Meter hohen Wilseder Berg im Heidekreis erklimmen und zur Belohnung auf einer Aussichtsplattform Champagner schlürfen dürfen. Wann die erste Wanderung stattfinden soll, ist nach Angaben des Tourismusmanagers aber noch unklar.

Für Barfußlaüfer: Natur pur direkt unter den Füßen: Wer sich die Füße von Zapfen, Rindenmulch oder Matsch massieren lassen möchte, kann dies auf zahlreichen Barfußpfaden im Land tun. So etwa im Barfußpfad Hochsolling bei Silberborn (Kreis Holzminden). An 25 Stationen können dort auf einem Kilometer Länge die Füße gelüftet werden. Weitere Barfußpfade gibt es unter anderem in Staufenberg im Kreis Göttingen und in Haselünne im Emsland.

Für Technikfreaks: Markierungen bei einer Schnitzeljagd von Hand einsammeln war gestern. Schwer im Trend liegt die elektronische Schnitzeljagd (Geocaching). Mit Satellitennavigationsgerät (GPS-Gerät) ausgestattet gilt es Verstecke zu finden. Im Internet oder Geocaching-Führern werden im Vorhinein nach unterschiedlichen Kriterien Verstecke herausgesucht. Die Zielkoordinaten flugs in das GPS-Gerät eingegeben - los geht’s. Nicht jedes Versteck kann direkt gefunden werden. Manchmal muss noch ein Rätsel gelöst werden.

Für Tierliebhaber: Luchse, Frösche oder Vögel: Einige niedersächsische Tourismusverbände haben Tierwanderungen im Programm. Zusammen mit Experten wie Biologen oder Ornithologen werden die Wanderschuhe geschnürt und die Tierwelt entdeckt. Etwa in Bad Harzburg: Von dort kann zu einer Wildtierbeobachtungsstation gewandert werden. Das Interesse daran ist groß. „An manchen Tagen stehen bis zu 350 Menschen im Wald“, sagt Friedhart Knolle, Sprecher des Nationalparks Harz. Von einem Hochsitz aus kann Rotwild beobachtet werden. In der Lüneburger Heide werden Touren zu Laubfroschkonzerten, Heidschnucken und Ameisenbauten angeboten.

Für Nachtaktive: Mit einem sogenannten Batdetektor ausgerüstet können Gäste im Harz auch auf Fledermauspirsch gehen. Mit den Detektoren werden die Laute der Tiere dabei für den Menschen wahrnehmbar gemacht. Wer es romantisch mag, kann auch Vollmondwanderungen unternehmen - etwa in der Lüneburger Heide.

Für Gesundheitsbewusste: „Gesundheits- und Kräuterwanderungen stehen zurzeit hoch im Kurs“, sagt die Geschäftsführerin von Weserbergland Tourismus, Petra Wegener. Auch in Niedersachsen führen zertifizierte Gesundheitswanderführer durch Wälder und über Wiesen. Kostbarkeiten am Wegesrand lassen sich bei Kräuterwanderungen entdecken. Pflanzenexperten erklären dabei, welches Grün genießbar ist und von welchem Kraut man besser die Finger lassen sollte. Auch um Städte wie Braunschweig oder Osnabrück werden Kräuterwanderungen angeboten.

dpa

Kommentare