Große Population

Bauern befürchten Schäden durch Rothirsche

+
Ein kapitaler Rothirsch verteidigt sein Revier, doch der Platz wird immer knapper. Das Rotwild vermehrt sich rasant.

Neuhaus/Goslar - Rothirsche in Niedersachsen vermehren sich rasant. Bauern befürchten große Schäden auf den Feldern – höhere Abschussquoten sind allerdings keine Lösung.

Die Rothirsche in Niedersachsen vermehren sich rasant. Der Grund: Die Lebensbedingungen für das Rotwild haben sich deutlich verbessert. Im Solling leben mittlerweile rund 1000 Tiere. Das hat die Frühjahrszählung des Wildbiologen Karsten Hupe ergeben, der das Projekt der dortigen Rotwild-Hegegemeinschaft wissenschaftlich begleitet. Bei den aufwendigen nächtlichen Aktionen sind jetzt 490 Rothirsche erfasst worden. 2012 waren es 376, und im Jahr davor nur 342 Hirsche. Nur rund die Hälfte des Rotwildes einer Region werde, so der Wissenschaftler, bei einer Zählung erfasst.

„Mitte der neunziger Jahre war der Rotwildbestand im Solling massiv runtergegangen“, berichtet Hupe. Als es das Solling-Gatter noch gab, sei es leichter gewesen, den Bestand zu erfassen und zu regulieren. Der 145 Kilometer lange Zaun war im Jahr 1880 errichtet worden, um die umliegenden Äcker und Wälder vor Schäden durch Rotwild zu schützen. Im Jahr 2001 hat die Forstverwaltung aber beschlossen, das Gatter wegen der jährlichen Unterhaltungskosten von mehr als 100000 Euro und der angestrebten naturnahen Waldentwicklung abzubauen. „Durch die Öffnung des Gatters haben die Rothirsche wieder mehr Raum für sich“, sagt der Wildbiologe.

Auch im niedersächsischen Teil des Harzes gibt es so viel Rotwild wie seit Jahren nicht mehr. 6500 Hirsche ziehen in diesem Frühjahr durch die Landkreise Goslar und Osterode, schätzt der Rotwildring Harz.

Der Bestand habe sich dort im letzten Jahrzehnt verdoppelt. „Dort hat sich der langfristige ökologische Waldentwicklungsplan bezahlt gemacht“, erklärt Florian Rölfing, Sprecher der Landesjägerschaft. Durch den Nationalpark Harz haben die Tiere ein größeres Rückzugsgebiet und mehr Nahrung. Nur durch ständige Störungen, etwa durch den Menschen, bleiben die Hirsche lange in Deckung und fressen dort, anstatt auf die Felder zu gehen.

Dass die Hirsche zum Fressen auf die Felder ziehen, plagt den Bauernverband. „Das Wild geht zum Äsen auf die landwirtschaftlichen Nutzflächen und hinterlässt dort Schäden“, sagt Gabi von der Brelie, Sprecherin des niedersächsischen Landvolks. Einen Gesamtüberblick über diese Problematik gebe es nicht, auch eine Schadenshöhe könne bislang nicht genannt werden. „Wir müssen uns zusammensetzen und eine gemeinsame Strategie für die Jagd entwickeln“, fordert die Sprecherin des Landvolks.

Abschusspläne gibt es bereits, „und die werden auch erfüllt“, erklärt Jägersprecher Rölfing. Im Harz sind die Abschussquoten sogar gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden im Westharz über 2000 Tiere erlegt, in 2011 waren es noch 1859. Tendenz steigend.

„Das Rotwild muss eine zentrale Rolle in den Planungen der Landesforsten einnehmen“, sagt Wildbiologe Hupe. Denn das Problem sei vielschichtig. Das Rotwild habe einen hohen Anspruch an seinen Lebensraum. Durch die Öffnung des Gatters habe sich natürlich auch das Äsungsangebot verbessert. Das bedeutet zum Teil auch: Die Tiere gehen auf die Felder und fressen mit Vorliebe Raps und Getreide.

„Doch auch früher wurden Schafe zum Äsen über die Felder geschickt - für den besseren Wuchs des Rapses“, so Hupe. Die Jagd sei nicht die alleinige Lösung, wenn der Bestand wächst. „Denn viel Rotwild bedeutet nicht automatisch, dass es viele Schäden gibt.“

Matthias Pöls

Kommentare