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Behörden geben Entwarnung im Schimmelpilzskandal

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Foto: Milch kann wieder bedenkenlos verkauft werden. Nach dem Schimmelpilzskandal haben die Behörden die Sperren aufgehoben.

Hannover - Die Landwirte können aufatmen: Von dem mit giftigem Schimmelpilz belasteten Tierfutter gehen keine Gesundheitsgefahren für die Tiere aus. Auch Milch kann wieder verkauft werden.

Im Schimmelpilzskandal haben die Behörden in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen Entwarnung gegeben. In NRW hatte das Verbraucherschutzministerium am Dienstag in Düsseldorf zunächst ein Schlachtverbot für Dutzende Betriebe verkündet, hob die Einschränkungen aber kurze Zeit später schon wieder auf. Auch in Niedersachsen können alle betroffenen Betriebe wieder Fleisch und Milch liefern. „Das sind gute Nachrichten für die niedersächsischen Landwirte“, sagte Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) in Hannover. In Sachsen-Anhalt können 10 der bislang gesperrten 22 Putenmastbetriebe wieder normal arbeiten.

Am vergangenen Freitag war bekanntgeworden, dass 10.000 Tonnen des aus Serbien stammenden Maises in Niedersachsen zu Tierfutter verarbeitet worden war. Landwirte in mehreren Bundesländern hatten das mit dem Schimmelpilz Aflatoxin vergiftete Tierfutter bekommen. Allein in Niedersachsen wurden damit 4467 Betriebe beliefert. Weil der Mais auch an Rinder verfüttert wurde, gelangte das Pilzgift in die Milch.

Experten des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) in Oldenburg untersuchten daraufhin Hunderte von Milchproben und stichprobenartig auch Lebern und Nieren von Schlachttieren auf zu hohe Werte des Schimmelgiftes. Der hochgiftige Schimmelpilz lagere sich vor allem in Leber und Niere der Tiere ab, die bei der Schlachtung auch verwertet würden, teilte das Ministerium in Düsseldorf mit.

Bekanntgeworden war die Belastung, nachdem ein Landwirt im Landkreis Leer Anfang Februar aufgefallen war, dass in der Milch seiner Kühe Aflatoxin-Grenzwerte überschritten waren. Sie hatten zuvor das verseuchte Futter gefressen.

Bei der Suche nach Schuldigen wurde der Ruf nach mehr und wirkungsvolleren Kontrollen laut. Der Geschäftsführer des Deutschen Verbandes Tiernahrung, Peter Radewahn, sagte im ZDF-Morgenmagazin, staatliche Kontrollstellen und firmeneigene Kontrolleure müssten sich jetzt zusammensetzen. „Wir müssen aus den Fällen lernen“, sagte Radewahn. Im aktuellen Fall habe es Stichproben gegeben. Die ersten Ergebnisse hätten offensichtlich unter den Grenzwerten gelegen. Er gehe davon aus, dass nach einer Warnung des Bundeslandwirtschaftsministeriums vor befallenem Mais im vergangenen Herbst aus Südost-Europa noch mehr Proben genommen worden seien.

Der Ministeriumssprecher in Düsseldorf sagte, bei der Entscheidung, ob ein Betrieb schlachten darf, spiele unter anderem eine Rolle, wie stark das verdächtige Futter mit anderem vermischt wurde oder in welcher Mastphase das Tier damit gefüttert wurde. Wenn Futtermittelproben unbelastet seien, könne das Schlachtverbot im Einzelfall auch wieder aufgehoben werden.

Manfred Nüssel, der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), forderte in Münster eine Ursachenanalyse der jüngsten Vorfälle. Neben den Eigenkontrollen der Unternehmen müsse die Politik auf Bundes- und Landesebene die Effizienz ihrer Kontrollen verbessern. Kritik an den Einfuhren von Futtermitteln wies er zurück. „Wir brauchen tragfähige Lösungen für eine sichere, kostengünstige Rohstoffversorgung“, erklärte der DRV-Präsident. Der Verband vertritt die Interessen der genossenschaftlich organisierten Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft.

dpa

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