Festival für alle

Beim Hurricane feiern auch Fans mit Handicap

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Scheeßel - Vom Regen aufgeweichte Feldwege, Dixie-Toiletten und Menschenmassen: Ein Festivalbesuch ist immer abenteuerlich. Für Musikfans mit Behinderung ist er oft nicht möglich. Auf dem Hurricane sollen alle die Bands genießen können.

Jennifer hat einen eindeutigen Favoriten: "Cro!", sagt die 21-Jährige und lacht. "Der ist toll." Als feststand, dass sie dieses Jahr das Hurricane Festival in Scheeßel besuchen kann, habe sie sich sehr gefreut. Jennifer sitzt im Rollstuhl, ein Besuch bei einer Großveranstaltung wie dem Hurricane ist oft mit viel Aufwand verbunden. Nun sitzt sie auf dem Rollstuhlfahrer-Podest und wartet auf den Rapper. Möglich gemacht hat das der Behindertenbeirat des Landkreises Rotenburg. Gemeinsam mit dem Hurricane-Veranstalter will er noch mehr Barrieren für Musikfans mit Behinderung auf dem Festival abbauen.

"Es geht um die Teilhabe - Festival für alle", sagt der Vorsitzende des Behindertenbeirats, Helmut Wilshusen, als er mit einer Gruppe von 14 Fans mit Behinderung und zehn Begleitpersonen über das staubige Festivalgelände läuft. Die Musikfans kommen aus den Einrichtungen Rotenburger Werke und Lebenshilfe Bremervörde-Zeven. Sie haben körperliche oder geistige Beeinträchtigungen. "Alle haben sich sehr gefreut, dass es klappt", sagt Wilshusen. Seit drei Jahren gibt es die Zusammenarbeit zwischen dem Beirat und dem Festivalveranstalter - dadurch soll die Großveranstaltung noch besser an die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung angepasst werden.

Auch für die Betreuer ist der Besuch ein Ereignis. "Die Jungs mögen Hiphop", sagt Mareike Görse, die für die Rotenburger Werke als Betreuerin arbeitet. Uwe Lorenz begleitet die Gruppe ehrenamtlich: "Wir machen uns hier heute einen schönen Tag. Das macht schon Spaß."" Die Tickets habe eine Stiftung bezahlt. Der Beirat versuche immer, Ausflüge auf die Beine zu stellen. "Wir waren auch bei Helene Fischer", sagt Lorenz. "Da ist das hier schon was anderes."

"Der Besuch auf einem Festival ist immer abenteuerlich", sagt Veranstaltungsleiter Jasper Barendregt. Man wolle den Fans mit Behinderung als erstes die Angst nehmen. "Wir möchten, dass jeder das Festival besuchen kann." Seitdem der Veranstalter mit dem Behindertenbeirat zusammenarbeite, sei die Zahl der Besucher mit einem Handicap deutlich gestiegen - in diesem Jahr sind es zusammen mit den Betreuern 59 Personen. Für sie gibt es extra Platz auf dem VIP-Campingplatz und barrierefreie Bäder und Toilette.

Neu ist in diesem Jahr, dass sich die Musikfans mit Handicap vorab anmelden konnten. "Das war ein wichtiger Schritt für uns", sagt Barendregt. "Denn so haben wir einen besseren Überblick und können den Campingplatz besser vorbereiten." Neu sei auch, dass die Fans mit Behinderung bei der Ankunft eine Telefonnummer für Notfälle bekommen. "Dort können sie jederzeit anrufen", sagt Barendregt. "Zum Beispiel wenn sie stecken geblieben sind, ein Reifen kaputt geht oder sie Strom für den Elektroroller brauchen."

dpa

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