Massenandrang auf Filiale

Zu beliebt: IKEA Seoul droht die Schließung

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Publikumsmagnet auch in Seoul: Die schwedische Möbelkette Ikea plant in Korea weitere Riesenhäuser.

Stockholm - Als Ikea kurz vor Weihnachten in Seoul sein weltgrößtes Möbelhaus eröffnete, waren die kleinen Konkurrenten am Ort verzweifelt. Nun droht die Seouler Stadtverwaltung dem weltgrößten Möbelhaus mit der Schließung - der Andrang ist zu groß.

Während die großen koreanischen Ketten den neuen Anbieter aus dem Westen zu ignorieren versuchten, senkten die Mittelständler panisch ihre Preise. 8600 Einrichtungsstücke in 65 Ausstellungsräumen auf 59 000 Quadratmetern präsentieren die Schweden - angesichts dieser Fülle sahen einheimische Kleinanbieter keine andere Möglichkeit als den Griff zum Rotstift.

Doch der Erfolg scheint nun nicht die Wettbewerber zu überrollen, sondern Ikea selbst: Am Eröffnungstag stürmten 48 000 Neugierige in das neue Haus. Die 2000 Parkplätze waren so schnell belegt, dass sich die wartenden Autos bis weit in die Zufahrtsstraßen zurück stauten. „An den Wochenenden sind hier immer alle Wege dicht - die Schlange war bis zu zwei Kilometer lang“, sagte ein Anwohner der „Korean Times“.

Das Verkehrschaos rund um das Ikea-Haus will die Stadtverwaltung nicht länger dulden und hat den Schweden ein Ultimatum gestellt: Entweder das Management bekommt den Andrang besser in den Griff, oder das Möbelhaus wird zum 15. Januar geschlossen - zumindest an den umsatzstarken Wochenenden. Eine Unternehmenssprecherin sagte dazu, was zu sagen ist: Natürlich nehme Ikea die Verkehrsprobleme ernst und werde alles tun, um eine Lösung herbeizuführen. Wie diese aussehen könnte, sagte sie nicht.

Kein Wunder, denn Rückschläge solcher Art ist das Unternehmen nicht gewohnt. Seit Ingvar Kamprad seine Initialen mit dem jeweils ersten Buchstaben des elterlichen Hofes (Elmtaryd) in seinem Heimatdorf (Agunnaryd) zu einem griffigen Markennamen zusammenfügte und 1951 den ersten Ikea-Katalog verschickte, ging es für sein Unternehmen nur aufwärts. Heute ist es mit seinen 315 Häusern in 27 Ländern und einem Umsatz von knapp 30 Milliarden Euro ein Weltkonzern.

Nach der Vorstellung von Kamprad soll es immer so weitergehen. Trotz seiner bald 90 Jahre will er nicht kürzer oder langsamer treten - auch mit Blick auf die koreanische Halbinsel nicht, wobei die Hoffnungen allerdings weniger auf dem kommunistischen Norden ruhen. Um Seoul herum aber will Ikea bis 2020 vier weitere Riesenhäuser eröffnen. Die Verwaltungsbehörden werden das beobachten - und am Ende vielleicht feststellen, dass sich mancher Hype auch von allein legt, ganz ohne Öffnungsverbote.

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