Neue Idee für Zeit nach Truppenabzug

Bergen plant ein Anne-Frank-Zentrum

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Anne Frank starb 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

Bergen - Nach dem Abzug der britischen Soldaten muss die Stadt Bergen neue Wege gehen. Jetzt ist in der Kleinstadt ein Anne-Frank-Zentrum geplant, doch wie umfangreich es sein soll, darüber gibt es Streit.

Bergen ist eine Stadt, die sich neu erfindet. Der angekündigte Abzug der britischen Soldaten in wenigen Jahren wird am Rand des Truppenübungsplatzes große Lücken reißen. Ein neues Anne-Frank-Zentrum gehört zu den Projekten, die der Kleinstadt den Weg in die Zukunft weisen sollen. Darüber ist man sich im Stadtrat gerade grundsätzlich einig geworden. Aber wie viel von Anne Frank sollte dort vorkommen? „Viel mehr als von der Stadt vorgesehen“, meint Elke von Meding, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bergen-Belsen.

Von Meding führt regelmäßig Gruppen durch das Konzentrationslager Bergen-Belsen, das im gemeindefreien Bezirk außerhalb des Stadtgebiets liegt. Sie hat ein ungebrochenes Interesse an dem durch ihr Tagebuch bekannt gewordenen Mädchen festgestellt. „Führungen zu Anne Frank sind immer überlaufen“, berichtet sie. Denn am Einzelschicksal lasse sich die Verfolgung der Juden im Nationalsozialmus besonders gut nachvollziehen. Als Grüne im Stadtrat hat die pensionierte Lehrerin das neue Anne-Frank-Zentrum beantragt, die Verwaltung prüft die Umsetzung nun auf Wunsch aller Fraktionen.

Nach Vorstellung der Grünen soll in dem Zentrum, das in ein leer stehendes Gebäude am Friedensplatz einziehen könnte, eine Anne-Frank-Dauerausstellung nach Vorbildern an deren Geburtsort Frankfurt und dem Versteck in Amsterdam Platz finden. Bürgermeister Rainer Prokop (CDU) versteht das Vorhaben jedoch, wie er sagt, umfassender. „Dieses rein Museale wird nicht kommen“, sagt er. Vielmehr solle das Zentrum als Stätte für Tagungen und Gesprächsrunden Bergens „Leitbild der Internationalität und des Friedens“ verkörpern. Dort sollten etwa die Anne-Frank-Friedenstage mit Jugendlichen aus West- und Osteuropa fortgesetzt werden.

Kritiker wie von Meding meinen, die Stadt suche krampfhaft nach einem neuen Image, um nicht auf Dauer mit Bergen-Belsen in Verbindung gebracht zu werden. Das weist Prokop zurück: „Wir wollen das Thema auch in Bergen sichtbar machen.“ Dies ist seiner Ansicht nach im Zusammenhang mit Projekten, die sich auch gegen die aktuelle Ausgrenzung von Minderheiten wenden, besonders gut möglich. Vor kurzem hat die Stadt gemeinsam mit dem Landkreis Celle den Zuschlag bekommen für ein von der EU gefördertes Forschungs-Praxis-Projekt „Integrationspotenziale ländlicher Regionen im Strukturwandel“. Es ist auf Zuwanderungspolitik gerichtet und hat die bessere Einbindung unter anderem der Kurden im Blick.

Gleichzeitig arbeitet die Stadt an einem Tourismuskonzept. Bisher kommen die meisten Besucher nicht wegen der Heidelandschaft an den Rand des Militär-übungsplatzes, sondern der Gedenkstätte wegen. Ein Tourismusbüro hat aber „ältere deutschlandaffine“ Urlauber als Zielgruppe ausgemacht.

Anne Frank als Person ist im Übrigen auch in der Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers wenig Platz eingeräumt worden - gerade mal eine Säule. Die Gedenkstättenstiftung nämlich fürchtet Personenkult.

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