Internetzugang

Berlin startet Deutschlands erstes kostenloses WLAN-Netz

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In Berlin wird der Traum vom kostenlosen, frei zugänglichen WLAN Wirklichkeit. Die User müssen lediglich Nutzungsbedingungen zustimmen.

Berlin - Mit Unterstützung von Kabel Deutschland hat Berlin Deutschlands erstes öffentliches WLAN-Netz gestartet. Das Pilotprojekt ist zunächst auf zwei Jahre angelegt. Die User, die das öffentliche WLAN nutzen möchten, brauchen weder Passwort noch Benutzernamen, sondern müssen lediglich Nutzungsbedingungen zustimmen.

Am Anfang waren es die Idealisten. Diejenigen, die von der unbegrenzten Freiheit träumten, ständig und überall im Internet zu surfen. Dann kamen die Touristen und bevölkerten mit ihren Smartphones die Cafés der Hauptstadt, immer auf der Suche nach einem kostengünstigen Internetzugang.

Den Traum vom freien WLAN erfüllten in Berlin bisher hauptsächlich Cafébesitzer und Hotelketten. Bis zum vergangenen Freitag: Berlin startete Deutschlands erstes öffentliches WLAN-Netz mit Unterstützung von Kabel Deutschland. Das Pilotprojekt ist zunächst für zwei Jahre angelegt ist. 44 Verteilerkästen in Mitte und dem Prenzlauer Berg wurden zunächst mit WLAN-Routern ausgestattet. Weitere sollen folgen. Auch im benachbarten Potsdam sollen diese sogenannten Hotspots installiert werden, an denen sich jeder jederzeit für 30 Minuten kostenlos und ohne komplizierte Anmeldung ins drahtlose und schnelle Internet einwählen kann.

Für das Projekt wurde ein Budget von zwei Millionen Euro veranschlagt, 316.000 Euro davon kommen als Förderung von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg. Mittlerweile haben sich auch schon andere Städte gemeldet, die Interesse signalisieren. „Mein Telefon steht nicht mehr still“, sagt Anneke Plaß, Sprecherin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg. Das „Wireless Local Area Network“, kurz WLAN und zu Deutsch: „drahtloses lokales Netzwerk“, ist in der Hauptstadt erstmals öffentlich. Das ist nicht ohne Risiko, denn wer mitsurft und dabei illegal Musik oder Filme runterlädt, hat im Zweifel nichts zu befürchten. Der Bundesgerichtshof urteilte 2010, dass es grundsätzlich untersagt sei, ein unkontrolliertes offenes Netz zur Verfügung zu stellen. Die Abmahnung für mögliche Urheberrechtsverletzungen durch Dritte geht an den Anbieter des Netzes. Störerhaftung nennen das Juristen.

In Berlin verzichtet man trotzdem auf Passwort und Benutzernamen. Die User, die das öffentliche WLAN nutzen wollen, müssen lediglich Nutzungsbedingungen zustimmen. Das soll reichen, um den Betreibern Rechtssicherheit zu gewähren. „Wir verpflichten die Nutzer, den geltenden Gesetzen zuzustimmen. Kommt es trotzdem zu Urheberrechtsverletzungen, so tritt Kabel Deutschland als Provider ein“, sagt Pressesprecher Marco Gassen.

Für die Medienanstalt Berlin-Brandenburg stellte sich die Frage nach einer Verschlüsselung nicht: „Offene Netze heißen offen, weil sie offen sind. So einfach ist das“, sagt Sprecherin Plaß. Dennoch hat der Bundesrat auf Initiative des Berliner Senats jetzt die Bundesregierung aufgefordert, das Haftungsrisiko für Betreiber drahtloser Netzwerke neu zu regeln. Die Hauptstadt hofft, über diesen Weg noch weitere Betreiber zu finden, die sich an einem öffentlichen WLAN beteiligen.

Denn bisher ist das öffentliche Netz in der Hauptstadt noch ein Flickenteppich. Doch das soll nicht so bleiben. Plaß’ Zukunftstraum: Ein engmaschiges Netz, das über der ganzen Stadt liegt. Bereitgestellt von vielen verschiedenen Anbietern. „Dann springt man mit seinem Smartphone praktisch vom einen ins andere, ohne es zu merken.“ Die Anträge der unterschiedlichsten Bewerber werden derzeit von der Landesregierung geprüft.

Nora Lysk

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