Versteckt statt versenkt

Bestatter gesteht Urnen-Betrug

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Foto: Zehn Tage nach der Entdeckung von 67 Urnen in einem Haus im Harz hat ein Bestatter den Betrug an seinen Kunden zugegeben.

Halle/Stolberg - 67 Urnen fanden sich vor zehn Tagen verlassen im Harz. Pietätlos versteckt in einem unbewohnten Haus. EinBestatter hatte ohne die zugesagte Bestattung auf See abkassiert. Nun droht Anklage.

Zehn Tage nach der Entdeckung von 67 Urnen in einem Haus im Harz hat ein Bestatter den Betrug an seinen Kunden zugegeben. „Er hat gestanden, das Geld der Angehörigen genommen zu haben, obwohl er wusste, dass er die vertraglichen Vereinbarungen über eine Seebestattung nicht erfüllen wird“, bestätigte Oberstaatsanwalt Andreas Schieweck in Halle. Die „Mitteldeutsche Zeitung“ aus halle hatte darüber am Samstag darüber berichtet.

Der ehemalige Chef einer Beerdigungsfirma in Stolberg habe zwar kassiert, aber wohl nie die Absicht gehabt, die Asche der Toten in Würde und anonym dem Meer zu übergeben. Es sei ein Schaden von bis zu 20 000 Euro entstanden. „Der Bestatter muss mit einer Anklage wegen gewerbsmäßigen Betruges rechnen“, sagte Schieweck.

Nach dem Fund der Urnen in dem unbewohnten Haus hatte der Mann zunächst den Betrug abgestritten und sich selbst als Opfer dargestellt. Er hatte behauptet, die Bestattung der eingeäscherten Verstorbenen sei von den Hinterbliebenen zwar beauftragt, aber nie bezahlt worden. Er sei in Vorkasse gegangen und auf den Kosten sitzengeblieben. Inzwischen soll er mit einer anderen Firma Bestattungen im thüringischen Erfurt anbieten - auch Seebestattungen. Dem Zeitungsbericht zufolge soll der Mann 56 Jahre alt sein.

Am Donnerstag nahm der Fall, der bundesweit Aufsehen erregt hatte, laut Schieweck die Wende mit dem Geständnis. Demnach gab der Mann in Erfurt einem Staatsanwalt gegenüber zu, aus ganz Deutschland Aufträge für Seebestattungen angenommen, aber nicht ausgeführt zu haben.

Seinem Anwalt zufolge ist der Bestatter nun „am Boden zerstört“. „Die Sache ist ihm über den Kopf gewachsen“, sagte der Anwalt der Zeitung. Er kündigte an, sein Mandant werde die Toten doch noch auf hoher See bestatten - und einen Nachweis dafür vorlegen. Das soll dem Bericht zufolge schon in den nächsten Tagen geschehen.

Die 67 Aschegefäße stammen aus den Jahren 2011 und 2012 und waren am 11. Dezember vonMitarbeitern des Ordnungsamtes entdeckt worden. Sie waren mit den Namen sowie den Geburts- und Sterbedaten der Toten versehen. Ermittler hatten sich danach akribisch auf die Suche nach Angehörigen gemacht. Ob und wie viele Hinterbliebene gefunden wurden, war zunächst nicht zu erfahren.

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