Spende für Koma-Patienten

Zum Bestseller in wenigen Stunden

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Foto: Liegt seit der vergangenen Woche im Koma: Autor Kai-Eric Fitzner.

Oldenburg - Ein Buch des Autors Kai-Eric Fitzner ist innerhalb weniger Stunden von Platz 60.570 auf Platz eins der Bestsellerliste beim Internethändler Amazon gesprungen. Trauriger Hintergrund: Fitzner liegt nach einem Schlaganfall im Koma. Um seine Familie finanziell zu unterstützen, hat ein Freund in den sozialen Netzwerken dazu aufgerufen, das Buch zu kaufen.

Ein schon neun Jahre altes Buch ist am Mittwoch innerhalb weniger Stunden von Platz 60.570 auf Platz eins der Bestsellerliste beim Internethändler Amazon gesprungen. Der späte Erfolg des Romans „Willkommen im Meer“, den der Oldenburger Autor Kai-Eric Fitzner 2006 geschrieben und Anfang des Jahres überarbeitet hat, hat allerdings einen traurigen Hintergrund. Der 45 Jahre alte Schriftsteller, Vater von drei Kindern, liegt nach einem Schlaganfall im Koma. Um seine Familie finanziell zu unterstützen, hat Fitzners Freund Johannes Korten in den sozialen Netzwerken dazu aufgerufen, das Buch zu kaufen – bislang mit riesigem Erfolg.

„Die linke Gehirnhälfte ist betroffen. Niemand weiß, ob und in welchem Gesundheitszustand er je wieder aufwachen wird“, sagt Korten. Der Bochumer kennt Fitzner seit drei Jahren. „Kai hat sich erst vor Kurzem als Vortragsredner und Experte für Organisationsentwicklung selbstständig gemacht, seine Frau absolviert ein Zweitstudium. Das ist auch finanziell eine ganz schlimme Lage für die Familie.“ Korten hatte am Dienstagabend über Twitter und seinen Blog auf den Schicksalsschlag und das Buch hingewiesen. Er hatte auch die Idee zu dem Hashtag #einBuchfuerKai. Die Hilfsaktion sei dann schnell im Netz weiterverbreitet worden. „Ich bin sehr gut vernetzt“, sagt Korten. „Aber von dieser überwältigenden Reaktion bin ich selbst überrascht.“

Weitere Infos

Hier finden Sie hier weitere Infos rund um den Spendenaufruf.

Fitzner und Korten haben sich während einer Podiumsdiskussion kennengelernt. „Wir haben eine gemeinsame Leidenschaft für die Bücher von Douglas Adams entdeckt und uns sofort gut verstanden.“ Fitzner sei ein „Lebenskünstler, ein sehr warmherziger Mensch und ein sehr kluger Kopf“, sagt sein Freund über ihn. „Ich hoffe sehr, dass er all die Hilfsbereitschaft irgendwann bewusst wahrnehmen kann und dass sie ihn dann auch über eine Reha tragen wird.“ Ihm sei aber bewusst, dass der Buchverkauf nicht ausreicht, der Familie finanziell zu helfen, betont Korten. Deshalb habe er ein Spendenkonto eingerichtet.

„An zwei Tagen sind mehr als 6500 Euro eingegangen“, sagt er. „Ich mache das ganz unkompliziert. Das Geld, das eingeht, überweise ich täglich an die Familie weiter.“ Spendenbescheinigungen könne er nicht ausstellen. „Es läuft alles auf Vertrauensbasis“, erklärt Korten, der selbst bei einer Bank arbeitet. „Und das Schöne ist, die Menschen vertrauen mir und machen mit.“ Es sei sogar eine Einzelspende von 1000 Euro eingegangen. Darüber hinaus melden sich Verlage, die ihre Unterstützung anbieten, und andere Menschen, die über monetäre Hilfe hinaus ihren Beitrag leisten wollen.

Auch Amazon hat sich zu einem besonderen Schritt entschieden. Nach eigener Aussage verzichtet das Unternehmen bei der E-Book-Ausgabe des Romans komplett auf seinen Nettoerlös. Bei der gedruckten Version gelte dies auch, dort müssten allerdings noch die Druckkosten abgezogen werden. Normalerweise mache das Unternehmen dies nicht, hieß es bei Amazon. Doch dies sei ein außergewöhnlicher Fall. Laut Johannes Korten bleiben bei jedem Printexemplar statt 2,82 nun 7,68 Euro für Fitzner und seine Familie. Über die Zahl der bislang verkauften Exemplare von „Willkommen im Meer“, das in Oldenburg spielt, gibt Amazon keine Auskunft.

Fitzners Frau und die drei Kinder im Alter von 4, 14 und 20 Jahren dankten gestern in einer schriftlichen Erklärung Johannes Korten und „den vielen bekannten und unbekannten Menschen, die uns in dieser schwierigen Zeit unterstützen und Kraft geben“. Sie seien von der Hilfe überwältigt, heißt es dort. „Und wir hoffen, dass Kai bald wieder bei uns ist, um ebenfalls an diesem kleinen Wunder teilzuhaben. Denn als ein solches mutet es uns an.“

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