Brauereikauf

SPD bezweifelt Kurs der Klosterkammer

+
Hans-Christian Biallas, Präsident der Klosterkammer Hannover. Die SPD kritisiert den Ankauf der Altenauer Brauerei im Harz.

Hannover - Wozu braucht eine Klosterkammer eine Brauerei? Die SPD hat erhebliche Zweifel an den Kurs des derzeitigen Kammerpräsidenten und früheren CDU-Innenexperten Hans-Christian Biallas

Erhebliche Zweifel am derzeitigen Kurs der Klosterkammer hat die SPD-Landtagsfraktion. Vor allem der vor kurzem vollzogene Ankauf der Altenauer Brauerei im Harz veranlasst die SPD-Politikerin Frauke Heiligenstadt zu kritischen Fragen an die Landesregierung. „Wozu braucht Klosterkammerpräsident Hans-Christian Biallas eine Brauerei. Ist dieser Ankauf mit dem Stiftungszweck vereinbar?“, will Heiligenstadt wissen. Mit der Förderung von sogenannten mildtätigen Zwecken könne dieser Kauf, der wirtschaftlich fraglich sei, wohl nicht begründet werden.

Die Klosterkammer hatte im Juli dieses Jahres die marode Altenauer Brauerei aufgekauft und dafür eine neue GmbH aus dem Allgemeinen Klosterfonds ausgegründet - die Klostergutsbrauerei Wöltingerode. Das ehemalige Kloster Wöltingerode in Vienenburg, ein Hotel- und Gastronomiebetrieb, ist seit einigen Jahren im Besitz der Klosterkammer. Zur Begründung für den Ankauf der insolventen Altenauer Brauerei führte Kammerpräsident Biallas an, dass „Bier und Kloster seit dem Mittelalter zusammengehören“. Der Kauf der Brauerei sei eine gute Gelegenheit, „unser eigenes Bier unter der Marke ‘Wölti-Bräu’ herzustellen.“

Heiligenstadt reicht diese Begründung nicht, zumal es sich nach ihren Worten nicht um einen kleinen Zuschuss der Klosterkammer handele, sondern um eine Millioneninvestition. „Es ist doch höchst fraglich, ob bei diesem Konkurrenzbetrieb im Brauereibereich der Erwerb eine sichere Geldanlage ist“, findet Heiligenstadt. Problematisch erscheine auch die Absicht der Klosterkammer, die Produktion der Brauerei zu verdreifachen, obwohl der Biermarkt schrumpfe. Präsident Biallas, der vor gut einem Jahr sein CDU-Landtagsmandat abgab und zum Chef der Klosterkammer ernannt wurde, führe die Stiftung „wie ein Gutsherr“.

Den langjährigen Streit mit einigen Pächtern um Erhöhungen des Erbpachtzines habe er jedenfalls nicht beilegen können: „Und die fragen sich jetzt staunend, warum die Klosterkammer umfangreiche Ausgründungen vornehmen kann, um eine Brauerei zu gründen, aber keine Grundstücke an die Pächter verkaufen darf.“ Verblüfft hat Heiligenstadt auch die jüngste Ankündigung der Klosterkammer, sich im kommenden Jahr gemeinsam mit den Städten Vienenburg und Goslar um die Ausrichtung des „Tages der Niedersachsen“ zu bewerben - auf dem Klostergut Wöltingerode.

Kommentare