Jedes Grad kostet 25 Euro

Bibbern beim Beten

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„Heizung ist ein Dauerbrenner“: Die St.-Andreas-Kirche in Springe bleibt im Winter kalt.

Springe - Die Bibel hat das eigentlich treffend beschrieben: „Solange die Erde steht, sollen nicht aufhören Frost und Hitze, Sommer und Winter“, heißt es dort. Die St.-Andreas-Gemeinde in Springe sorgt sich jedoch um die Heizkosten – und startet ein ungewöhnliches Projekt gegen den Einfluss der Jahreszeiten.

Sorgen allerdings bereitet der St.-Andreas-Gemeinde in Springe in der Region Hannover allein der Winter: „Wir müssen sparen, und unsere Heizkosten liegen bei 6000 Euro jährlich“, sagt Pastor Klaus Fröhlich. Das Thema treibt ihn seit Jahren um. Schließlich stamme das gotische Gotteshaus aus dem Jahr 1454, als man energetisch noch nicht so weit war wie heute: „Die Heizung ist bei uns ein Dauerbrenner.“

Überall sind Kirchen klamm und Energiekosten hoch: Es gibt Gemeinden, die ihre Kirchen im Winter kalt lassen und vorm Gottesdienst lieber Decken oder heißen Tee austeilen. Andere bauen Bankheizungen ein, die gezielt nur die belegten Sitzplätze erwärmen. Und wieder andere ziehen im Winter kurzerhand ins kleine, geheizte Gemeindehaus um. „Wir wollten aber auf unseren fantastischen Kirchenraum nicht verzichten“, sagt Pastor Fröhlich. Und so fällte der Kirchenvorstand im warmen Juni eine kühle Entscheidung: Die Kirche wird künftig nur noch auf zehn Grad geheizt. Wer es wärmer haben will, soll zahlen: „Für jedes Grad mehr brauchen wir 25 Euro“, hat der Pastor ausgerechnet. Ein 18-Grad-Gottesdienst kostet folglich 200 Euro: „Wir hoffen auf Sponsoren“, sagt er. Zugleich deutet er allerdings an, dass Gottesdienste in der Kälte deutlich kürzer ausfallen könnten.

In der Landeskirche beobachtet man das Experiment mit Interesse: „Wir begrüßen jede kreative Idee, die Heizkosten spart“, sagt Sprecher Johannes Neukirch. Schließlich geht es auch um Klimaschutz und „Bewahrung der Schöpfung“, wie Theologen sagen. Und von selbst erledigen wird sich das Thema kaum: Der biblische Prophet Zacharias sagt zwar, dass am Tag des Jüngsten Gerichts „weder Kälte noch Frost noch Eis sein“ werden. Aber das kann dauern.

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