Belastetes Basilikum

Bioküchenkräuter enthalten Putzmittel

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Bio-Bauer Claus Koch warnt seine Kunden auf dem Markt in der Lister Meile vor seinen eigenen Produkten – verkauft aber jetzt nur noch unbelastete Kräuter.

Papenburg - Bioküchenkrätuer enthalten Spuren von Putzmittel. Betroffen sind neben Basilikum auch Dill, Petersilie und Rosmarin. Die Branche spricht von einem riesigen Imageschaden.

Claus Koch geht in die Offensive. Der Biogärtner aus Hemmingen warnt vor dem Verzehr seiner eigenen Produkte. „Alle in diesem Jahr verkauften Basilikumpflanzen enthalten Rückstände von DDAC (Putzmittel)“, hat der Mann mit dem Bart und der Schirmmütze auf ein Schild geschrieben, das aus seinem Wochenmarktstand auf der Lister Meile in Hannover ausliegt. „Ich möchte Sie (Euch) bitten, bei mir gekauftes Basilikum nicht zu ernten.“

Der ehrliche Gärtner ist Leidtragender eines Skandals, der erneut einen Schatten auf die Biobranche wirft. Bei Eigenkontrollen hat ein Bauer aus dem Emsland Anfang Juni Rückstände eines Desinfektionsmittels in seinem Biobasilikum entdeckt. Es blieb nicht bei diesem Einzelfall und betraf auch Petersilie, Rosmarin und Dill. Die Gartenbauzentrale in Papenburg, die über ihre Genossenschaftsbetriebe ganz Deutschland mit Küchenkräutern aller Art beliefert, ließ bereits Anfang Juni acht ihrer Betriebe sperren und 1,5 Millionen Kräutertöpfe vernichten. Den Schaden schätzt Geschäftsführer Karl Voges auf eine Million Euro - vom Imageschaden gar nicht zu sprechen. „Jetzt stehen die Biokräuter am Pranger, und wir haben die Folgen zu tragen“, sagt Voges. „Eine Sauerei.“

Der problematische Wirkstoff heißt Didecyldimethyl-Ammoniumchlorid (DDAC) und war in dem amerikanischen Pflanzenstärkungsmittel „Vi-Care“ enthalten, als Inhaltsstoff aber nicht ausgewiesen. Da das unter anderem aus Grapefruitkernen gewonnene Biospritzmittel die Pflanzen mit einem vermeintlich unbedenklichen Vitaminexkrakt versorgt, hatte es sogar Bioland empfohlen. Inzwischen hat das Bundesamt für Verbraucherschutz „Vi-Care“ aus dem Verkehr gezogen. Das Bundesamt für Risikobewertung teilt zwar mit, dass für Verbraucher „weder eine akute noch eine chronische Gefährdung“ bestand, doch die DDAC-Rückstände überschreiten die zulässigen Grenzwerte.

Gleichwohl wurden jahrelang Kräuter aus biologischem Anbau verkauft, die mit dem verseuchten „Stärkungsmittel“ behandelt wurden. Weltweit. „Es sieht so aus, als ob wir es hier mit kriminellen Machenschaften zu tun haben, die einen großen Schaden nach sich ziehen können“, kommentierte der nordrhein-westfälische Umweltminister Johannes Remmel (Grüne). Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hält sich mit Schuldzuweisungen noch zurück, spricht aber von „massiven wirtschaftlichen Schäden“ für Biobauern im Land.

Besonders hart getroffen hat es Bio-gärtner Friedrich Schulz. Der Papenburger produziert acht Millionen Kräuterpflanzen pro Jahr und beliefert etliche Supermarktketten. Rund 400000 seiner Kräutertöpfe musste Schulz jetzt entsorgen lassen. „Die Ware ist vernichtet“, sagt Schulz. „Wir fangen neu an.“ Nicht im Traum habe er angenommen, dass von dem Pflanzenstärkungsmittel eine schädliche Wirkung ausgehen könne. Gemeinsam mit seinen Berufskollegen strebt Schulz nun eine Verbandsklage an, um Schadensersatz zu verlangen. Aber das ist nicht so leicht. Denn der Hersteller von „Vi-Care“ hat seinen Sitz in den USA, und das Pflanzenstärkungsmittel wird vornehmlich in Costa Rica und Ecuador produziert - und offenbar in erster Linie bei der Produktion von Biobananen eingesetzt. Warum das Biospritzmittel mit dem Putzmittelwirkstoff DDAC versetzt war, ist noch ungeklärt. Der Geschäftsführer der Gartenbauzentrale vermutet, dass es auf diese Weise konserviert wurde. „Damit es nicht verfault.“ Auf jeden Fall hätte die US-Firma die Zulassung beantragen müssen.

Für den Biogärtner aus Hemmingen kommt es jetzt vor allem darauf an, das Vertrauen seiner Kunden zurückzugewinnen. „Die Verunsicherung ist spürbar“, sagt Koch, der betont, dass er alle seine 1200 behandelten Basilikumpflanzen sofort weggeworfen hat und nun dabei ist, neues Basilikum zu ziehen. Ohne Biospritzmittel. Er habe jetzt in seinen Gewächshäusern Ventilatoren aufgestellt, um dem drohenden Pilzbefall vorzubeugen, sagt der Gärtner. „Meine Kunden müssen sich zu hundert Prozent darauf verlassen können, dass meine Kräuterpflanzen nicht behandelt sind.“

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