Bischofskonferenz in Hildesheim

Bischöfe beraten über Rolle der Familie

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Kein Aufbruchsgeist? Kardinal Lehmann im Hildesheimer Dom.

Hildesheim - In Hildesheim treffen sich derzeit alle katholischen Bischöfe Deutschlands. Unter dem Vorsitz von Kardinal Reinhard Marx beraten sie über die Rolle der Familieund das Abendmahl für Katholiken, die in zweiter Ehe leben. Doch den Kirchenreformern geht das alles viel zu langsam.

Die Hildesheimer „Sülte“ hat in ihrer fast 1000-jährigen Geschichte schon allerlei erlebt. Der Ort, wo eine Salzquelle sprudelte, war Pilgerhospital, Augustinerkloster, auch eine psychiatrische Anstalt, in der der Massenmörder Haarmann untergebracht war. Seit einigen Jahren ist die „Sülte“ ein Hotel - und seit zwei Tagen provisorischer Sitz der Deutschen Bischofskonferenz. Weil der Hildesheimer Bischof zur 1200-Jahr-Feier seines Bistums alle Kollegen eingeladen hat, herrscht in Hildesheim derzeit eine besonders hohe Bischofsdichte.

Die Bevölkerung bekommt davon nicht allzu viel mit, höchstens abends in den „Tagesthemen“. Oder frühmorgens im Dom, wenn katholisch hochrangige Würdenträger die Eucharistiefeier zelebrieren. Am Dienstag um 7.30 Uhr war Kardinal Karl Lehmann dran, der in einer besonders feinen Predigt die Brüder zum Zusammenhalt ermahnte. Schwestern findet man in dieser Versammlung, die noch bis Donnerstag tagt, nicht. Lediglich im aufblasbaren Pressezelt, das vor dem Novotel aufgebaut ist und in dem leitende Bischöfe jeweils um 13 Uhr Worte zur Lage der Welt im Allgemeinen und zur Lage der katholischen Kirche im Besonderen halten. Sie reden vor kirchenkundigen Journalisten, die wissen, was der Osnabrücker Bischof Josef Bode meint, wenn er sagt, dass man zur anstehenden Familiensynode in Rom noch ein „instrumentum laboris“ braucht, ein Arbeitsinstrument.

Vertreter für Familiensynode in Rom gewählt

Das Instrument der Bischöfe ist das geschliffene Wort, der theologische Disput, den sie hinter geschlossenen Türen führen. In Hildesheim ging es am Dienstag auch um die Frage, wen die Deutschen als ihre Vertreter zu der großen Familiensynode nach Rom entsenden werden. Die Wahl fiel auf Kardinal Reinhard Marx, den geistreichen und wortmächtigen Vorsitzenden der Bischofskonferenz, auf den Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode und den Dresdner Bischof Heiner Koch. Der wird „Familienbischof“ genannt wird, obwohl er wie die anderen zölibatär lebt. Alle drei gelten, soweit man diesen Begriff überhaupt anwenden will, in der katholischen Welt als Liberale. Die Bischofssynode zu Ehe und Familie tagt im Oktober.

Kirchenkritiker und -reformer wie der frühere Hannoveraner Christian Weisner setzen hohe Erwartungen in diese Familiensynode. Sie hoffen, dass die katholische Kirche von ihrer „rigiden Sexualmoral“ abrückt. Das hoffen und propagieren Weisner und seine Mitstreiter schon seit 20 Jahren, weshalb sie fast jede Bischofskonferenz begleiten - abseits des offiziellen Geländes. Große Hoffnungen setzen sie auch auf Papst Franziskus, der den Freiheitsgeist des II. Vatikanischen Konzils mit nach Südamerika gerettet habe und nun wieder nach Europa zurückbringe. Kleinere Hoffnungen setzen sie auf Kardinal Marx. Doch stoße der Aufbruchsgeist bei den deutschen Bischöfen auf eine Lehmschicht, „mit ä“, buchstabiert Weisner.

Immerhin will die Mehrheit der in Hildesheim versammelten Bischöfe vorsichtige Reformen umsetzen, wie Kardinal Marx umschreibt. Etwa für die Abendmahlszulassung von Katholiken, die in zweiter Ehe leben. Das habe man bereits vor einem Jahr erklärt, nur gehe es nicht darum, diese Position „im Sturm“ in die Weltkirche einzubringen. „Synode“, sagt der Kardinal, bedeute Einmütigkeit. „Es geht nicht darum, wer setzt sich durch, wer ist Gewinner, wer Verlierer?“ So wird Kirchengeschichte in Hildesheim geschrieben. Behutsam.

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