Rütteln an einem Heiligtum

Bischof Meister fordert Frauen im Klosterkonvent

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Foto: Ich glaube, wir müssen den notwendigen Schritt gehen“, sagte Meister am Donnerstag vor dem in Hannover versammelten Kirchenparlament.

Hannover - Seiner Vorgängerin Margot Käßmann ist es nicht gelungen, eine der letzten Männerbastionen in der Landeskirche zu brechen. Landesbischof Meister wagt einen neuen Anlauf: Er will auch Frauen im Klosterkonvent Loccum.

Das Kloster Loccum hat Kriege überstanden, den Übergang zum Protestantismus, die Studentenbewegung. Aber der Konvent des evangelischen Klosters, das in diesem Jahr unter Altabt Horst Hirschler glanzvoll sein 850-jähriges Bestehen feiert, ist immer ein reines Männerdomizil geblieben. Ausgerechnet ein hoher geistlicher Würdenträger, Hannovers Landesbischof Ralf Meister, strebt jetzt an, was seine frauenbewegte Vorgängerin Margot Käßmann nie erreichte: Meister möchte, dass künftig auch Frauen in den Konvent des Klosters einziehen. „Ich glaube, wir müssen den notwendigen Schritt gehen“, sagte Meister am Donnerstag vor dem in Hannover versammelten Kirchenparlament, der Landessynode. Er wünsche sich sehr, „dass der Konvent erneut über die Aufnahme von Frauen in diese geistliche Gemeinschaft nachdenkt“.

Nun ist der Wunsch eines Landesbischofs noch nicht automatisch Befehl für selbstbewusste Äbte wie Horst Hirschler (79) oder Altabt Eduard Lohse (89), die Vorgänger Meisters im Bischofsamt. Beide sind noch dagegen. Lohse machte Meister auf die weltweiten Verbindungen aufmerksam, die das (evangelische) Kloster zu den (katholischen) Zisterziensern unterhält. Deshalb kam sogar der Generalabt des Zisterzienserordens Ende März zur feierlichen Eröffnung der Jubiläumsfeierlichkeiten, die Abt Hirschler mit Krummstab und Mitra in der renovierten Klosterkirche zelebrierte.

Mönche sind die Mitglieder des Konvents indes nicht, sondern verdiente Kirchenleute. Ob sie künftig Frauen in ihren Reihen zulassen? Befragte Konventsmitglieder hüllen sich in Schweigen. Bischof Meister argumentiert, dass das Kloster Loccum zu einem der größten Ausbildungszentren der niedersächsischen Kirchen ausgebaut werden soll - zu einem geistlichen Labor, in dem Vikarinnen und Vikare arbeiten und leben. 13 Millionen Euro will die Landeskirche nach Worten des Synodalen Rolf Bade in Loccum investieren. „Die Verfassung wird so geändert, dass das Predigerseminar in der Verantwortung der Landeskirche liegt“, sagt Bade. Das kann man auch als Wink mit dem Zaunpfahl verstehen.

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