Prävention

Bistümer kämpfen gegen sexuellen Missbrauch

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Hildesheim - Nach dem Skandal um Missbrauch in der Kirche setzen die Bistümer in Niedersachsen auf Prävention. Alle Mitarbeiter, die mit Kindern in Kontakt kommen, werden regelmäßig geschult. Nach anfänglicher Skepsis ist die Resonanz positiv.

Während die Deutsche Bischofskonferenz nach der geplatzten Missbrauchsstudie mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer das Projekt an diesem Montag neu angeht, sind die niedersächsischen Bistümer in der Sache schon weit vorangekommen. Neu eingestellte Präventionsbeauftragte haben die Schulung tausender Mitarbeiter zur Verhinderung von sexuellem Missbrauch veranlasst, teilten die Bistümer in Hildesheim und Osnabrück mit. Die Schulung ist Pflicht – und nach anfänglicher Skepsis kommt sie sehr gut an. Die Resonanz sei durchweg positiv, hieß es.

Im Bistum Osnabrück wurden bereits 1700 Mitarbeiter von Kirche, Caritas und Schulen fortgebildet, außerdem wurden 5000 Ehrenamtliche in der Jugendarbeit geschult. „Führungskräfte und alle, die mit Kindern zu tun haben, sind dabei“, sagte Bistumssprecher Kai Mennigmann. Seit dem Bekanntwerden von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche waren im Bistum Osnabrück 28 teils schon viele Jahre zurückliegende Fälle ermittelt worden.

Im Bistum Hildesheim ist die Schulung von rund 1000 hauptamtlichen und 12.000 ehrenamtlichen Mitarbeitern angelaufen. „Das wird sehr gut angenommen, die Resonanz ist durchweg positiv“, sagte Generalvikar Werner Schreer. Vor allem gehe es darum, den Blick für das Thema Missbrauch zu schärfen. Aber auch auf mögliche Vernachlässigungen von Kindern sollten die Mitarbeiter besser achten. Alle fünf Jahre soll das Wissen nun aufgefrischt werden. 37 Missbrauchsfälle hatte das Bistum ermittelt – auch nach einem Aufruf an Betroffene, sich zu melden.

Für Mitarbeiter der Kinder- und Jugendseelsorge hat das Hildesheimer Bistum außerdem einen Leitfaden mit klaren Verhaltensregeln erstellt. Dieser enthält auch eine Selbstverpflichtungserklärung, die alle Mitarbeiter, die mit Kindern zu tun haben, alle zwei Jahre abgeben müssen.

Genau wie bundesweit greifen auch in Niedersachsens Bistümern die 2010 von der Kirche verschärften Vorschriften zum Umgang mit sexuellem Missbrauch. Jeder Verdacht wird seitdem direkt der Staatsanwaltschaft gemeldet. Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendarbeit müssen ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Zuletzt hatte das Landgericht Oldenburg vor knapp einem Jahr einen ehemaligen Kirchenmusiker wegen Missbrauchs zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

Bei der bundesweit geplanten Missbrauchsstudie hatten sich die Deutsche Bischofskonferenz und der hannoversche Kriminologe Christian Pfeiffer vor gut einem Jahr überworfen. Die Kirche hatte den Vertrag mit Pfeiffers Kriminologischem Forschungsinstitut Niedersachsen Anfang 2013 gekündigt. Am Montag sollen die neuen Partner für die Untersuchung in Bonn präsentiert werden.

dpa

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