Hochwasser

Björn im Dauerdienst

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Foto: Einer von vielen Helfern: Der Feuerwehrmann Björn Weiß ist diese Woche gefordert.

Sehlem/Sarstedt - Es ist 5 Uhr morgens. Der Piepser schrillt. Das Gerät liegt immer auf dem Nachttisch, wenn Björn Weiß ins Bett geht. Der Piepser ist unverzichtbar, denn der 25-Jährige ist einer von 90 Männern der Freiwilligen Feuerwehr im Landkreis Hildesheim, die am Mittwoch gerufen werden.

„FB 5 – Wasserschaden“, steht auf dem Display. Björn weiß, es muss etwas Größeres sein. Die Arbeit fällt heute aus, so wie für viele andere ehrenamtliche Helfer, die in Niedersachsen gegen das Hochwasser kämpfen.

Der 25-Jährige schlüpft in die leuchtend orange Schutzkleidung und läuft die 300 Meter zur Wache in Sehlem im Kreis Hildesheim. Den Weg könnte er auch mit geschlossenen Augen finden. Seit zehn Jahren gehört fast jeder Montag der Feuerwehr. Dann treffen sich die rund 30 Kameraden aus dem 750-Einwohner-Dorf zur Übung. Kurz nach seinem 16. Geburtstag nahm ihn sein Onkel und Gemeindebrandmeister, Friedhelm Weiß, mit. Björn begann im Musikzug zu spielen – Tenorhorn. Heute interessiert den stillen jungen Mann das Instrument nicht mehr. Er hilft lieber bei der Freiwilligen Feuerwehr im aktiven Dienst.

Gegen 7 Uhr trifft der ganze 90-Mann-Trupp der Kreisbereitschaft Süd ein, um den Einsatz in Sarstedt zu besprechen. Die Aufträge sind schnell vergeben, überall muss mit angefasst werden. Die Freiwilligen werden in 30-Mann-Züge aufgeteilt und müssen Kanäle auspumpen, Sandsäcke stapeln und die Straßen vor der Flut bewahren. Immer wieder müssen die Helfer Menschen, die von den Überschwemmungen betroffen sind, beruhigen, ihnen Mut zusprechen oder auch erklären, wie gefährlich das Wasser sein kann.

Ja, einfach da sein und helfen – das ist jetzt auch der Job von Björn Weiß. Schnell kommen die ersten Einwohner auf die Männer in Orange zu. Die Keller sind zu Hunderten vollgelaufen. Auf einer Luftaufnahme von Sarstedt ist außer den Dächern der Häuser kaum noch ein Fleckchen zu sehen, das nicht überschwemmt ist.

„20 Kilo habe ich abgenommen“

„Zum Glück mussten wir nicht die Sandsäcke vollschippen“, sagt Björn. Das haben schon andere erledigt. Jetzt nur die gefüllten Säcke schleppen, um die Häuser an der Innerste zu schützen. Und das alles auch noch im Regen. Die anstrengende körperliche Arbeit ist für die meisten ungewohnt. Sport und Björn – das war lange ein Widerspruch. Erst vor wenigen Monaten fing der 25-Jährige an, Sport zu treiben. „20 Kilo habe ich abgenommen“, sagt er mit leichtem Stolz.

Ein guter Freund von ihm ist von der Freiwilligen Feuerwehr Sehlem zur Berufsfeuerwehr Hannover gegangen – Björn überlegt, das Gleiche zu tun. Dafür muss er fit werden. Doch noch absolviert er eine Ausbildung zum Elektroniker. Kurz nachdem der Piepser losging, hatte Björn eine SMS an seinen Chef geschickt. „Für größere Einsätze ist alles abgesprochen“, sagt der Lehrling. Obwohl es einen Lohnausgleich für den Arbeitgeber vom Landkreis gibt, können nicht alle Helfer zum Einsatz – weil der Chef es nicht will.

Die Feuerwehr ist im Dorf so etwas wie ein Verein, fast wie der Sportklub. Sarstedt ist sein größter Einsatz, seitdem Björn bei der Feuerwehr ist. Am Wochenende könnten die Pegelstände wieder steigen. Dann wird Björn wieder freiwillig mit anpacken – wie so viele andere auch.

von Matthias Pöls

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