Wechsel nach fast 30 Jahren

Bliesener löst Pfeiffer am KFN ab

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Thomas Bliesener folgt Christian Pfeiffer als Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.

Göttingen/Hannover - Ab dem 1. April wird Thomas Bliesener an zwei Einrichtungen in Niedersachsen forschen: Als neuer Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in Hannover und als Professor für Interdisziplinäre Kriminologische Forschung an der Uni Göttingen. Bliesener tritt die Nachfolge des 71-jährigen Christian Pfeiffer an.

Warum wird jemand kriminell? Und wie kommt es, dass manche nur einmal straffällig werden, während andere immer wieder auf der Anklagebank landen? Diese Fragen haben Professor Thomas Bliesener schon zu Beginn seines Studiums beschäftigt und seither nie mehr losgelassen. Der 56-jährige Rechtspsychologe, der derzeit noch einen Lehrstuhl an der Universität Kiel hat, hat inzwischen zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zu diesen Themen veröffentlicht.

Die gemeinsame Berufung sei auf Initiative des Landes Niedersachsen zustande gekommen, erläuterte am Donnerstag Universitätspräsidentin Professor Ulrike Beisiegel. Die neue Professur, die an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät angesiedelt ist, decke ein breites Themenspektrum ab, das eine attraktive Ergänzung des Lehrangebotes darstelle.

Bliesener tritt die Nachfolge des 71-jährigen Christian Pfeiffer an, der nach fast 30 Jahren als Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts aufhört. Pfeiffer hat das KFN bundesweit bekannt gemacht und sehr intensiv die Medien bedient. Bliesener ist da etwas zurückhaltender. Er scheut die Öffentlichkeit zwar nicht, will aber vor allem aufklären, zum Beispiel über bestimmte Kriminalitätsphänomene. Manche Interviewanfragen lehnt er deshalb rigoros ab: „Kriminologie ist keine Kriminalistik, wir klären keine Fälle auf.“

Thomas Bliesener hat in Bielefeld Psychologie, Soziologie und BWL studiert. Nach der Promotion wechselte er 1988 an die Universität Erlangen-Nürnberg, wo er 1994 habilitiert wurde. Seit 2000 ist er als Professor für Entwicklungspsychologie, Pädagogische Psychologie und Rechtspsychologie an der Christian-Albrechts-Universität Kiel tätig und hat dort gemeinsam mit Medizinern und Juristen ein interdisziplinäres Zentrum aufgebaut.

„Interdisziplinarität war mir immer wichtig“, sagt der Rechtspsychologe. So hat er kürzlich für eine gemeinsame Studie mit dem Institut für Weltwirtschaft in Kiel zusammengearbeitet. Die Forscher gehen darin der Frage nach, welche Folgekosten durch Kriminalität entstehen. In anderen Studien hat sich Bliesener vor allem mit der Entwicklung von Aggression und Gewalt unter Kindern und Jugendlichen beschäftigt und Kriminalitätsphänomene bei Hooligans und jugendlichen Spätaussiedlern untersucht.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Forschungen ist die Prävention: Wie lässt sich verhindern, dass Jugendliche in die Kriminalität abrutschen? Und wie bekommt man sie dort wieder heraus? Wie wirken sich Strafen aus? Was bringen soziale Trainingsprogramme? Diesen Fragen will er auch bei seiner künftigen Arbeit in Niedersachsen nachgehen. „Kriminalität ist ein vielfältiges Phänomen“, sagt Bliesener. Da ständig neue Formen hinzukommen, beispielsweise die Cyberkriminalität, werden dem Kriminologen die Themen nicht ausgehen.

Von Heidi Niemann

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