Umrundung gescheitert

Bodensee-Schwimmerin hört auf

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Foto: Die Extremschwimmerin Kirsten Seidel musste nach 64 Kilometern im Bodensee aufgeben.

Bodman - Kein Schlaf, keine Pause und auch gegessen wurde im Wasser: Eine Extremschwimmerin wollte fast nonstop den ganzen Bodensee umrunden. Nach der ersten Etappe ist Schluss.

Nonstop um den Bodensee: Diese 136 Kilometer lange Mammut-Tour hat Extremschwimmerin Kirsten Seidel in der Nacht zum Montag abgebrochen. „Die Tour endet hier", sagte ihre Sprecherin Anett Juhrs. Seidel kam nach rund 36 Stunden um 2.40 Uhr in Bregenz an. Eigentlich wollte sie diese Etappe bereits am Mittag bewältigt haben. Doch die 47-Jährige sei lange Zeit gegen den Strom geschwommen. „Wir haben ab dem Mittag am Sonntag so eine starke Strömung gehabt, dass sie teilweise in der Stunde nur 300 Meter schwimmen konnte."

Seidel sei allerdings die Erste, die es geschafft habe, ohne wärmenden Neoprenanzug die 64 Kilometer von Bodman nach Bregenz durchzuschwimmen, sagte Juhrs. „Darauf kann sie mit Fug und Recht riesig stolz sein." Zudem habe die Schwimmerin einen deutlich längeren Weg zurückgelegt. Weil sie von der Strömung immer wieder weggetrieben worden sei, sei sie sogar 78 Kilometer am Stück geschwommen. Der 47-Jährigen gehe es aber gut. "Sie ist deutlich geschwächt, das ist klar. Es war schon eine gewisse Strapaze."

In Bodman in Baden-Württemberg war die 47-Jährige aus Dresden am Samstag ins Wasser gestiegen, um einmal quer durch den See nach Bregenz zu schwimmen. Danach wollte sie am Südufer entlang über Konstanz bis nach Stein am Rhein schwimmen und den Bodensee so einmal umrunden. Mit der Aktion sammelte sie Spenden für krebskranke Kinder.

„Ich möchte den Menschen zeigen, dass man Unmögliches möglich macht, wenn man fest daran glaubt", sagte die Mentaltrainerin.

Auf ihrer ersten Etappe war Seidel allerdings bereits in der ersten Nacht langsamer vorangekommen als gedacht. Sie hatte wegen fehlender Orientierung das Tempo rausnehmen müssen, sagte ihre Sprecherin. Das Wetter spielte am Wochenende immerhin mit: Es gab herrlichen Sonnenschein, der Bodensee war gut 23 Grad warm.

Pausen wollte sich Seidel zwischen den Etappen nicht gönnen. Sie wollte nur kurz aus dem Wasser kommen, weil sie ohne wärmenden Neoprenanzug schwimme und sich deshalb regelmäßig neu mit Vaseline einreiben müsse, sagte ihre Sprecherin. Auch Schlafen wollte sie während der ganzen Tour nicht.

Für Seidel ist es nicht die erste extreme Aktion im Wasser: 2003 war sie die erste Deutsche, die den Fehmarnbelt von Dänemark nach Deutschland durchschwamm. 2006 schwamm sie zehn Tage lang die 550 Kilometer lange Strecke von Dresden nach Hamburg durch die Elbe.

Vor Seidel hatte der Bodensee schon so manchen Extremsportler in die Knie gezwungen: Bruno Dobelmann war vor einem Monat schon zum zweiten Mal damit gescheitert, den Bodensee ohne Neoprenanzug in seiner ganzen Länge von 64 Kilometern zu durchschwimmen. Das kalte Wasser und teilweise heftiger Gegenwind hatten den Sportler mit Spitznamen „Orca" zum Aufgeben gezwungen. Für diesen Dienstag hat bereits der 22-jährige Maximilian Melyarki aus dem bayrischen Altötting angekündigt, ohne Neoprenanzug von Bodman nach Bregenz zu schwimmen. Diese Ziel hat Seidel nun erreicht.

Die zweifache Mutter, die jahrelang als Spezialistin für Strömungsmechanik tätig war, arbeitet inzwischen als Mentalcoach. Man brauche einen Grund, für den es sich lohne, die Strapazen durchzuhalten. Ihr Grund seien die krebskranken Kinder, für die sie Spenden sammeln wolle, sagte sie. Als Rekordversuch wollte die 47-Jährige ihre Aktion deshalb ganz ausdrücklich nicht verstanden wissen.

dpa

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