Staatsbürgerschaft beantragt

Boris Becker will Brite werden

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Boris Becker und seine Frau Lilly fühlen sich in London mittlerweile heimisch.

London - Vor 30 Jahren wurde Boris Becker zum Idol. Später verspielte er mit privaten Eskapaden viel von seinem Kredit in der deutschen Öffentlichkeit. In Wimbledon fühlte er sich früher auf dem Tennisplatz wohl, nun lebt er in dem Stadtteil von London – und strebt die britische Staatsbürgerschaft an

Wimbledon war schon immer sein Wohnzimmer. Nun sollen London und das Vereinigte Königreich endgültig zu seiner Heimat werden. Im Interview mit der BBC hat Boris Becker angekündigt, Brite zu werden. Eigentlich kannte man den Leimener als deutschen Kämpfer: mit hartem Aufschlag, schmerzfreiem Hecht und geballter Siegerfaust. Als er 1985 zum ersten Mal Wimbledon gewann, wurde weltweit den Assoziationen zu Deutschland, die mit „B“ beginnen (Bier, Bratwurst, Bundesliga, BMW) eine weitere hinzugefügt: Boris Becker.

Der unbekümmerte, rotblonde Deutsche avancierte mit seinem unbedingten Siegeswillen schnell zum Helden: „Game Becker“. Während er von den Briten respektvoll „Bum Bum Boris“ getauft wurde, galt er zu Hause anfangs noch als „das Bobbele“. Einige blicken bis heute auf ihn herab. Während er im Südwesten Londons, Heimat des wichtigsten Tennisturniers der Welt, weiter punktete und sich inzwischen mit Frau Lilly und Sohn Amadeus häuslich einrichtete, wurde er von deutschen Spaßmachern mitunter als eine stammelnde Witzfigur stilisiert. Becker, der gern pokert, spielte seinen Kritikern in die Karten: sein Buch gefloppt, seine Karriere als Geschäftsmann unglücklich, seine TV-Auftritte peinlich bis tragisch. Klar, dass die Entfremdung mit den Deutschen weiter zunahm.

Die Deutschen meinen, sie hätten einen Anspruch auf mich

In einem Interview sagte er: „Ich bin kein nationaler Leibeigener. Die Deutschen meinen, sie hätten einen Anspruch auf mich, dass ich ihnen gehören würde.“ Während aus Deutschland noch Besenkammer-Witze über Beckers Seitensprung und Häme für Beckers gelegentliche sprachliche Hänger („Äh, äh“) nachhallen, freut sich England, wie ein aufgekratzter BBC-Mann gestern kommentierte, „auf einen Sportsmann und freundlichen Neubürger“.

von Harald John

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