Keine Anklage nach Polizeischüssen

Brände und Plünderungen in Ferguson

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Die Entscheidung der Jury sorgte in Ferguson für Unmut in der Bevölkerung, Proteste schlugen in Gewalt um.

Ferguson - Experten hatten das Urteil erwartet, Bürgerrechtler befürchtet. Eine Geschworenenjury entscheidet, einen weißen Polizisten nicht für tödlichen Schüsse auf einen jungen Schwarzen in Ferguson anzuklagen. Es gab sofort Ausschreitungen. Präsident Obama rief zur Ruhe auf.

Bei schweren Krawallen in Ferguson sind am Montagabend (Ortszeit) zahlreiche Gebäude angezündet und Geschäfte geplündert worden. Anlass der Ausschreitungen war die Entscheidung einer Jury, kein Verfahren gegen einen weißen Polizisten einzuleiten, der einen schwarzen Teenager erschossen hatte. In dem Vorort von St. Louis (US-Staat Missouri) stünden mindestens 15 Läden in Flammen, berichtete der Sender CNN.

Die Unruhen griffen auch auf andere Städte über. Proteste seien auch aus New York, Chicago und der Bundeshauptstadt Washington sowie aus Oakland in Kalifornien und Philadelphia gemeldet worden, berichtete der Sender NBC.

In Ferguson warfen Demonstranten mit Flaschen und Ziegelsteinen auf Polizeifahrzeuge und schaukelten Streifenwagen, bis sie umkippten. Auch mehrere Autos brannten. Schwere Rauchwolken standen über der Stadt, Flammen schossen in den nächtlichen Himmel. Mindestens vier Menschen wurden festgenommen. Demonstranten zerschlugen zudem Schaufensterscheiben.

Laut CNN wurden im Laufe der Nacht mindestens 15 Schüsse gehört. Nach einem Bericht der Zeitung "St. Louis Post-Dispatch" wurde ein Polizist angeschossen. Demonstranten bewarfen CNN-Reporter mit Steinen und forderten den Abzug der Medien. Die Polizei setzte Tränengas ein. MSNBC sprach von Rauchbomben. Die Polizei war in Kampfanzügen im Einsatz.

Feuerwehrmänner, die zum Löschen ausgerückt seien, mussten der Zeitung zufolge von einem brennenden Gebäude wieder abrücken, nachdem Schüsse fielen. Das Luftfahrtamt FAA schloss wegen Schüssen in Flughafennähe den Luftraum über der Stadt. Hunderte Demonstranten besetzten eine Schnellstraße, die dann von Polizisten abgeriegelt wurde.

Der Bürgermeister von Ferguson sowie der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, riefen die Bewohner zur Besonnenheit auf. Auch die Eltern des erschossenen Jugendlichen Michael Brown appellierten an die Demonstranten, friedlich zu bleiben: "Auf Gewalt mit Gewalt zu antworten, ist keine angemessene Reaktion."

Der Polizist Darren Wilson hatte Brown am 9. August nach einer Auseinandersetzung erschossen. Der Tod des 18-Jährigen hatte in der 20 000-Einwohner-Stadt schwere Unruhen ausgelöst. Die Familie des Jugendlichen kritisierte die Entscheidung. "Wir sind zutiefst enttäuscht, dass sich der Killer unseres Kindes nicht den Konsequenzen seiner Taten stellen wird", ließen seine Eltern über ihren Anwalt mitteilen.

Die Polizei hatte sich auf neue Ausschreitungen in dem Vorort der Metropole St. Louis vorbereitet. Der Gouverneur hatte bereits vergangene Woche den Notstand ausgerufen und die Nationalgarde mobilisiert.

Trotz der Entscheidung der Jury könnte der Fall für Wilson ein juristisches Nachspiel haben, denn die Bundesbehörden ermitteln weiter gegen den Beamten. Dabei geht es um die Frage, ob Wilson aus rassistischen Motiven geschossen und damit die Bürgerrechte des Teenagers verletzt haben könnte. Auch könnte die Familie des Jugendlichen den Polizisten zivilrechtlich verklagen.

dpa

Keine Beweise für Vorsatz bei Polizeischüssen

Als Staatsanwalt Robert McCulloch vor die Kameras tritt, ist die Anspannung auf dem Höhepunkt. Es ist später Abend. Seit vielen Stunden weiß jeder, dass die Grand Jury nach rund drei Monaten endlich zu einem Urteil gekommen ist. Nur nicht, zu was für einem.

Die zwölf Geschworenen mussten klären, ob der weiße Polizist Darren Wilson eine Straftat begangen hatte, als er am 9. August den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown auf offener Straße in Ferguson erschoss. Eine Entscheidung von großer Tragweite - weit über die Kleinstadt in Missouri hinaus. Also wägt McCulloch seine Worte genau ab. Er bedauert Browns Eltern, die „einen geliebten Menschen durch Gewalt verloren haben“. Die Bedeutung seines Auftritts ist ihm völlig klar. „Die Bürger sind sich bewusst, dass die ganze Welt zuschaut wie wir antworten und reagieren“, sagt er mit rauer Stimme. Der Chefankläger kritisiert zunächst die vielen Gerüchte über den Vorfall, die in sozialen Netzwerken im Internet sowie durch den „unersättlichen Appetit der Medien“ gestreut worden seien. Schließlich stellt er sich noch vorbeugend schützend vor das Justizsystem, in dem nur harte Beweise zählten und nicht Hörensagen. Das lange Vorgeplänkel hat gute Gründe. Ihm folgt eine lange Liste an Indizien, die den 18-jährigen Brown in kein gutes Licht stellen. Wilson habe den Jugendlichen an jenem Sommertag gebeten, nicht mitten auf der Straße zu gehen, erklärt McCulloch. Darauf sei der an das Fenster des Polizeiwagens getreten und hätte hineingegriffen. In dem Auto seien zwei Schüsse gefallen. Brown habe sich dabei am Daumen verletzt. Er habe sich wieder von dem Wagen entfernt. Wilson sei ihm hinterher gelaufen. Es gebe Beweise, dass der Teenager sich umgedreht habe und mindestens zwei Mal auf Wilson zugekommen sei. Der Polizist feuerte daraufhin zehn Schüsse ab.Viele Zeugen hatten ursprünglich nach dem Vorfall berichtet, dass Brown wehrlos gewesen sei, seine Hände gehoben habe, der Polizist ihm in den Rücken geschossen habe. Doch viele dieser Aussagen seien falsch gewesen, meint der Staatsanwalt. Einige hätten ihre Angaben geändert, andere später zugegeben, das Geschehen doch nicht gesehen zu haben. Schussverletzungen im Rücken habe Brown nicht gehabt. Die Entscheidung der Jury: Keine Anklage gegen den Polizisten.

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