Feuer bei Nordzucker

Brand im Silo verursacht Millionenschaden

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Foto: Hilfe von oben: Ein Hubschrauber der Bundespolizei lässt Wasser auf ein brennendes Silo der Nordzucker AG ab.

Uelzen - Die Feuerwehr kämpft lange gegen die Flammen 
bei Nordzucker in Uelzen. Das Unternehmen ist wohl nur knapp 
einer Katastrophe entgangen.

Noch weit bis in den Freitag hinein hat die Feuerwehr gegen die Flammen in einem Zuckersilo in Uelzen ankämpfen müssen. Erst am Nachmittag befand sich der Großbrand auf dem Gelände von Nordzucker weitgehend unter Kontrolle. Allerdings konnte das Unternehmen auch dann noch keine vollständige Entwarnung geben: Die Suche nach Glutherden werde Nordzucker noch einige Zeit beschäftigen, sagte Unternehmenssprecherin Tanja Schneider-Diehl. Der Schaden liegt nach ihren Angaben bei mehreren Millionen Euro. Menschen wurden nicht verletzt.

Mehr als 24 Stunden lang waren die Einsatzkräfte seit Donnerstag gegen die Flammen im Einsatz, unterstützt wurden sie von zwei Hubschraubern der Bundespolizei. Diese schütteten auch am Freitag noch Wassermassen aus 2000-Liter-Behältern in das Silo. Nachschub holten die Piloten aus dem nahe gelegenen Elbe-Seitenkanal, der deshalb für die Schifffahrt gesperrt werden musste.

Das Feuer war am Donnerstag gegen 14 Uhr offenbar auf einer Brücke zwischen zwei Silos ausgebrochen. Dort werde Zucker mithilfe eines Förderbandes in mehr als 80 Metern Höhe in Richtung Siloöffnung transportiert, um die Lagerstätte von oben zu befüllen, erläuterte Schneider-Diehl. Das Feuer habe dann von der Brücke auf das Dach des Silo 9, in dem rund 40 000 Tonnen Zucker lagerten, übergegriffen.

„Rauch ist nicht mehr zu sehen“, sagte die Sprecherin am Freitagnachmittag. Um sicher zu gehen, dass sich unterhalb der oberen, verbrannten Zuckerschicht nicht weitere Glutherde befinden, lässt Nordzucker nun den Zucker aus einem ebenerdigen Tor abfließen. „Wir arbeiten uns damit von unten nach oben vor“, sagte die Sprecherin. Solange diese Kontrolle nicht abgeschlossen sei, könne keine Entwarnung gegeben werden. Die Ware aus dem Silo sei „gesperrter Zucker“ und werde nicht weiterverkauft oder -verarbeitet.

Das Unternehmen und die angrenzenden Gebiete sind bei dem Großbrand offenbar nur knapp einer Katastrophe entgangen. „Zwischenzeitlich hat Explosionsgefahr bestanden“, sagte der Sprecher der Feuerwehr Uelzen, Matthias Vogel. Der Zuckerstaub in dem Silo sei hochexplosiv gewesen. Die Feuerwehr hatte bereits mit Vorbereitungen zur Evakuierung eines nahen Wohngebietes begonnen. „Erst als das brennende Holzdach in das Silo gestürzt war, bestand die Gefahr einer Explosion nicht mehr“, erläuterte Vogel. Eine solche Detonation könne sich nur in geschlossenen Räumen ereignen. Er sei seit 20 Jahren Feuerwehrmann, sagte Vogel. „Aber einen solchen Einsatz habe ich noch nicht erlebt.“

Unterdessen geht die Suche nach der Ursache weiter. „Wir können zum jetzigen Zeitpunkt weder technische Gründe noch fahrlässige Brandstiftung ausschließen“, sagte der Sprecher der Polizeiinspektion Lüneburg, Kai Richter. Die Beamten haben noch am Donnerstag begonnen, Spuren zu sichern und Zeugen zu befragen, die Unglücksstelle konnten sie aber noch nicht begutachten. „Wir müssen schauen, ob sie in der kommenden Woche begehbar ist“, sagte Richter. Davor seien keine Ergebnisse zur Brandursache zu erwarten.

Das Uelzener Nordzucker-Werk hat am Freitagvormittag ungeachtet der Löscharbeiten seine Arbeit wieder aufgenommen. Seit dem Vormittag sei Zucker wieder verladen worden, sagte Schneider-Diehl. Am Vortag seien die Kunden aus anderen Werken des Unternehmens beliefert worden. Der am Donnerstag unterbrochene Bahnverkehr auf der Hauptstrecke Hamburg–Hannover konnte am Freitagmorgen wieder aufgenommen werden.

Tonnenweise Zucker

Die Nordzucker AG ist Europas zweitgrößter Zuckerproduzent. Der Firmensitz befindet sich in Braunschweig. Im Uelzener Werk arbeiten rund 250 Angestellte. Das Silo, das am Donnerstag und Freitag gebrannt hat, war erst im vergangenen Jahr für insgesamt 14 Millionen Euro errichtet worden. Der rund 82 Meter hohe Bau ist nach Angaben von Nordzucker-Sprecherin Tanja Schneider-Diehl „eines der modernsten Silos in Europa, das alle Brandschutzstandards erfüllt“.

Zum Zeitpunkt des Unglücks war es mit rund 40.000 Tonnen Zucker gefüllt. Das seien rund zehn Prozent der Gesamtmenge, die in Uelzen lagert. Produziert wird Zucker erst wieder im September, wenn die diesjährige Kampagne beginnt.

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