Städtezwist

Braunschweiger Historiker eckt mit Hannover-Zitat an

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Der frühere hannoversche CDU-Bezirkschef und ehemalige Landtagspräsident Jürgen Gansäuer (Foto) ist empört über die Worte eines Braunschweiger Historikers.

Hannover - Ein ironisch gemeintes, aber abwertend klingendes Zitat eines Braunschweiger Historikers über die Hannoveraner hat heftige Reaktionen ausgelöst. Sind sich die Hannoveraner und Braunschweiger vielleicht doch fremder, als Wissenschaftler und Politiker dieser Tage behaupten?

Der Streit trübt die Braunschweiger Vorfreude auf einen historischen Jahrestag, der eigentlich die Nähe zwischen beiden niedersächsischen Städten unterstreichen soll: In gut zwei Wochen, am 24. Mai, ist es 100 Jahre her, dass die preußische Kaisertochter Victoria Luise den Welfenprinzen Ernst August III. heiratete. Damit kam auf den Braunschweiger Herzogthron ein Welfe aus der hannoverschen Linie - wenn auch nur für magere fünf Jahre bis 1918.

Vor 100 Jahren wurde die Hochzeit in Braunschweig enthusiastisch gefeiert. Umso mehr überraschen die kritischen Worte, die der Braunschweiger Professor für Regionalgeschichte, Gerd Biegel, jüngst in einem Interview gefunden hat: „Ich bin so ausländerfreundlich, dass ich auch Studierende aus Hannover in meine Vorlesungen lasse“, sagte Biegel.

Heftige Reaktionen seien nicht verwunderlich

Darüber empört sich der frühere hannoversche CDU-Bezirkschef und ehemalige Landtagspräsident Jürgen Gansäuer: „Herr Biegel ist ein engagierter Mann, aber diese Aussage ist nicht akzeptabel. Er gießt damit Öl ins Feuer, wenn demnächst Fußballspiele in der ersten Bundesliga zwischen Hannover und Braunschweig anstehen.“

Gansäuer findet Biegels Worte „ärgerlich“, weil sie vielen Bemühungen entgegenliefen, das Positive am Verhältnis zwischen beiden Städten herauszustellen. Auch Tobias Henkel von der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz geht auf Distanz zu Biegel: „Diese Wortwahl geht nicht. Wer so etwas in die Welt setzt, darf sich über heftige Reaktionen nicht wundern.“

Biegel fühlt sich missverstanden

Biegel selbst sieht sich zu Unrecht im Zentrum der Kritik. „Das war doch nur pure Ironie“, sagt der Geschichtsforscher. In Wahrheit setze auch er sich dafür ein, „die Grenzen zwischen Hannover und Braunschweig zu überwinden“. Biegel ist aber überzeugt, dass Spannungen immer bleiben werden - wie auch zwischen Köln und Düsseldorf, Kiel und Lübeck oder Dresden und Leipzig.

Im Jahr 2014 begehen die Hannoveraner ein Fest - es ist 300 Jahre her, dass der erste hannoversche Herrscher den englischen Thron bestiegen hat. In Braunschweig wird dann ein anderer Anlass gefeiert: der 300.Todestag des Herzogs Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel.

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