Polizeieinsätze bei Risikospielen

Bremen bittet Deutsche Fußball-Liga zur Kasse

Foto: Vor allem die Nordderbys gegen Hannover 96 und den Hamburger SV gelten als problematisch. Dabei kommen statt bis zu 200 Polizisten wie bei Fußballspielen mit friedlichen Fans bis zu 1200 Beamte rund um das Weserstadion zum Einsatz. Dadurch entstehen nach Angaben des Innenressorts Mehrkosten von rund 300.000 Euro.

Bremen - Künftig will Bremen als erstes Bundesland die Deutsche Fußball Liga an den Kosten für Polizeieinsätze bei Risikospielen beteiligen. Die erste Rechnung soll nach dem 96-Spiel bei Werder Bremen gestellt werden. Die DFL will das nicht hinnehmen - und will vor Gericht ziehen.

Als erstes Bundesland wird Bremen die Deutsche Fußball-Liga (DFL) an den Kosten für Polizeieinsätze bei Risikospielen beteiligen. Das hat die Bremische Bürgerschaft am Mittwoch mit den Stimmen der rot-grünen Landtagskoalition beschlossen. Bremen schlägt damit einen neuen Weg ein: Bisher wurden alle bei der Überwachung von Fußballspielen entstehenden Polizeikosten aus öffentlichen Mitteln bezahlt. Den ersten Gebührenbescheid will das Land am 13. Dezember an den Ligaverband verschicken – nach dem Spiel Werder Bremen gegen Hannover 96. Dagegen werde man sich vor Gericht wehren, kündigte DFL-Präsident Reinhard Rauball gestern Abend umgehend an.

In Niedersachsen hat allein der Schutz der Spiele von Hannover 96, VfL Wolfsburg und Eintracht Braunschweig in der vergangenen Saison 8 Millionen Euro gekostet. Niedersächsische Polizeibeamte waren 141.283 Stunden im Einsatz. Dennoch sieht Innenminister Boris Pistorius in der Bremer Entscheidung kein nachahmenswertes Modell. „Das ist nicht unser Weg“, sagte Pistorius der HAZ. „In den Stadien sind zwar die Vereine für die Sicherheit verantwortlich, im öffentlichen Raum aber nun einmal die Polizei.“ Die meisten Gewalttaten passierten auf dem Weg ins Stadion.

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei findet die Bremer Entscheidung „nicht gut“, wie Dietmar Schilff der HAZ sagte: „Viel wichtiger ist, wie die Vereine mit der Gewalt bei Fußballspielen umgehen.“Der Bundesligaverein an der Weser ist nach Angaben von Geschäftsführer Klaus Filbry wenig begeistert von der gestrigen Entscheidung: „Der SV Werder Bremen wird durch den Bremer Weg finanziellen Schaden nehmen.“ Allein der zu erwartende jahrelange Rechtsstreit werde den Verein drei bis 4 Millionen Euro kosten – Geld, das Werder nicht hat.

Von Karl Doeleke und Eckhard Stengel

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